Fürnkranz findet Faden

13. März 2007, 10:35
posten

Harte Restrukturierung ließ Fürnkranz um viele Nummern schrumpfen. Jetzt sieht sich das Wiener Modehaus auf sicheren Beinen, sucht Immobilien und will in Familienhand bleiben

Wien – "Selbst wenn wir Purzelbäume geschlagen hätten – es hätte nicht länger funktioniert. Wir haben uns daher auf Filialen konzentriert, in denen wir Geld verdienen." Karl Bauer, Chef von Fürnkranz, zieht ohne viel Wehmut Bilanz über die Schlankheitskur des Wiener Modehauses. Der Traditionsbetrieb hat acht Standorte in Wien geschlossen und führt seit Mitte 2006 nur noch vier.

In die aufgelassenen Immobilien mieteten sich Diskontketten wie Kik, Penny und Vögele ein. Kik etwa verkaufe in der Thaliastraße Textilien erfolgreich neben den Sektflöten und Toilettenpapier, sagt Bauer dem STANDARD. "Wir hätten dort hingegen Geld und Energie vergeudet." Die Restrukturierung brachte seiner Firma scharfe Einschnitte bei Personal und Umsatz, führte aber zurück in die Gewinnzone.

Fürnkranz erzielte 2005 einen Gewinn von 116.400 Euro. Das operative Geschäft blieb laut Bauer auch 2006 positiv. 130 Mitarbeiter setzten 20 Millionen Euro um. An der Strategie, keinen Euro fremd zu finanzieren, werde nicht gerüttelt. Das sei vielleicht steuerlich unklug, räumt Bauer ein. "Aber die Banken halten den Regenschirm nur solange über dich, solange es nicht regnet."

Eine Expansion nach Bratislava hat Bauer zurückgestellt, es sei dafür noch zu früh. Vielmehr ziehe es ihn nach Graz. Vorausgesetzt, Fürnkranz finde eine geeignete, zum Verkauf stehende Immobilie. Das Unternehmen richte sich aus Prinzip nur in Häusern ein, die im eigenen Besitz stehen.

Einfacher sei das Textilgeschäft dennoch nicht geworden, seufzt Karl Fürnkranz; er ist nach der Übergabe der Geschäftsführung an Bauer beratend tätig. "Internationale Modeketten drängen nach Wien, wir sehen unsere Kunden mit Zara-Sackerln." Ein altes verstaubtes Image abzuschütteln, das brauche trotz Facelifting auch viel Zeit, sagt Bauer. Er zweifelt daher am Relaunch-Versuch des Mitbewerbers Schöps. "Man kann nicht einfach den Schalter umlegen, Kunden nehmen es nicht ab."

Bauer will Fürnkranz aus den Abverkaufs-Duellen weit gehend heraushalten. "Unsere Kunden sind keine Schnäppchenjäger." Eingekauft werde nur in Europa. "Mit Ware aus Asien ruiniert man sich langfristig den Namen." Am Mitarbeiterstand soll sich trotz hoher Kosten (60 Prozent der Gesamtkosten entfallen aufs Personal) nichts ändern. Die Zeiten des Saus und Brauses, in denen Fürnkranz in jeder Filiale drei Leute nur fürs Einpacken beschäftigte, seien ohnehin vorbei, sagt Fürnkranz.

Den geplanten längeren Öffnungszeiten kann das Modehaus wenig abgewinnen. Das erlaube die Personalstruktur nicht, und der Umsatz würde sich dadurch nur verschieben.

Vom Tisch sind Pläne über einen Verkauf, etwa an Palmers. Fürnkranz: "Wir haben keine Verkaufsabsicht. Fürnkranz bleibt in Familienhand." (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.2.2007)

  • Zwölf Standorte und 400 Mitarbeiter zählte Fürnkranz in den besten Zeiten. Heute sind es 130 Mitarbeiter in vier Filialen. Die Diät führte zurück in die Gewinnzone.
    foto: szandard/matthias cremer

    Zwölf Standorte und 400 Mitarbeiter zählte Fürnkranz in den besten Zeiten. Heute sind es 130 Mitarbeiter in vier Filialen. Die Diät führte zurück in die Gewinnzone.

Share if you care.