Fall Marcus Omofuma: Erstickungstod bestätigt

20. Juli 2000, 17:02

Gutachten aus Bulgarien endlich eingetroffen

Korneuburg/Wien - Das mit Spannung erwartete Gutachten aus Bulgarien zum Fall Marcus Omofuma ist im Landesgericht Korneuburg eingetroffen. "Wenn jetzt alles wirklich schnell geht, könnte Ende August ein möglicher Prozesstermin festgelegt werden", sagte Donnerstag Wilhelm Tschugguel, der Vizepräsident des Landesgerichts, zum Standard.

Doch noch liegt das neue Gutachten von Professor Stojcho Radanov, dem Leiter für Gerichtsmedizin der medizinischen Fakultät der Universität Sofia, unübersetzt im Gerichtsakt. Die Dolmetscherin sei noch zwei Wochen auf Urlaub, so Tschugguel.

Wie berichtet, hatte Radanov den Leichnam von Marcus Omofuma als Erster obduziert. Der nigerianische Asylwerber war am 1. Mai 1999 während seiner Abschiebung per Flugzeug ums Leben gekommen. Drei Begleitbeamte der Wiener Fremdenpolizei hatten ihn gefesselt, ihm den Mund verklebt und ihn mit Klebebändern so stark am Flugzeugsitz fixiert, dass er bewegungsunfähig war. Die Beamten rechtfertigten diese Maßnahmen durch "renitentes Verhalten des Schubhäftlings". Bei der Zwischenlandung in Sofia war Marcus Omofuma tot.

Gerichtliche Ermittlungen

Professor Radanov stellte damals "das klassische Bild einer mechanischen Erstickung" fest. Und weiter: "Spuren eines Klebebandes in den Nasenlöchern lassen darauf schließen, dass eine normale Atmung nicht möglich war." Gegen die suspendierten Polizisten wurden gerichtliche Ermittlungen wegen "Quälens eines Gefangenen mit Todesfolge" eingeleitet.

Nach der Überstellung der sterblichen Überreste nach Österreich fand der Wiener Gerichtsmediziner Christian Reiter allerdings heraus, dass Omofuma an einer "durch wiederkehrende Infekte der oberen Atemwege verursachten Herzschwäche" gelitten habe. Reiters Resümee: Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Omofumas Tod und der Verklebung seines Gesichtes sei mit der für das Strafverfahren erforderlichen Sicherheit nicht zu belegen.

Möglicher Aufschub

Radanov wurde schließlich damit beauftragt, unter Einbeziehung des Reiter-Gutachtens die bulgarischen Ergebnisse noch einmal zu beurteilen. Eben diese Expertise liegt jetzt vor. Rechtsanwalt Georg Zanger, der Omofumas Hinterbliebene vertritt, sagte, er kenne den Inhalt bereits: Radanov bekräftige, dass Omofuma erstickt sei. Rechtsanwalt Farid Rifaat, der Verteidiger der Beamten, will die Übersetzung abwarten, er rechne aber auch mit einem "Beharrungsgutachten".

In diesem Fall wird das Gericht einen dritten Gutachter bestimmen, der die Untersuchungsmethoden seiner zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommenen Kollegen überprüfen müsste. Die Entscheidung über eine Anklage würde damit erneut auf Monate aufgeschoben werden. Michael Simoner

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