Mailand: "Manifest" zeigt wenig Wirkung

1. März 2007, 11:34
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Kein Mindestgewicht für Models - Marken, die größere Größen anbieten, fühlen sich ausgeschlossen

Mailand - Die Debatte um zu dünne Models ist auch zur Eröffnung der Modenschauen in Mailand am Samstag fortgesetzt worden, an der Art der Defilees wird sich allerdings kaum etwas ändern. Zwar schloss die italienische Regierung einen Pakt mit den Modeverbänden, doch ein Mindestgewicht für die Laufsteg-Schönheiten sieht dieser nicht vor. VertreterInnen von Modemarken, die sich auf rundliche Frauen spezialisiert haben, kritisierten, sie seien von den Schauen ferngehalten worden. Einzig Elena Miro tritt neben den großen Namen der italienischen Mode wie Gucci, Prada oder Versace Armani auf.

Mager aber gesund

Das von der Regierung initiierte "Manifest" verpflichtet jedes Model zur Vorlage eines ärztlichen Attests, um zu beweisen, dass keine Essstörung vorliegt. Der in Spanien vorgeschriebene Körpermasseindex (BMI), der für eine junge Frau von 1,72 Metern Höhe ein Mindestgewicht von 53 Kilogramm verlangt, soll dagegen nicht angewendet werden. "Das wäre irrationell und nicht anwendbar, junge Frauen können doch dünn sein und einen zu niedrigen BMI haben, ohne dass sie gleich magersüchtig sind", sagt Mario Boselli, Vorsitzender der italienischen Modekammer.

Zuwenig Platz für alternative Marken

Die ModemacherInnen Italiens kämpften nicht nur halbherzig gegen das Ideal der Magerkeit, sie ließen auch Marken für rundliche Frauen nicht zum Zuge kommen, kritisiert Carlo Bassi von der Firma Expocts, die Modemessen für solche Marken organisiert. "Wir wollten in das Programm aufgenommen werden, aber angeblich gab es keinen Platz mehr", so Bassi. Große Größen, das heißt von einer deutschen Größe 40 aufwärts, seien allerdings keine Lösung für das Problem der Magersucht, räumt Bassi ein. "Aber sie antworten auf eine echte Nachfrage, die Frauen tragen eben mehrheitlich Größe 38 und aufwärts."

Rund hundert Modenschauen stehen in Mailand bis einschließlich 27. Februar auf dem Programm, danach begibt sich die Modewelt zum Pret-a-porter nach Paris. (APA/AFP)

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