Gratis mitversichert

20. Juli 2000, 16:21

Das sind (noch) 2,7 Millionen Frauen und Kinder

Wien - „Die Billa-Verkäuferin finanziert mit ihren Beiträgen die Versicherung der Unternehmersgattin, die zu Hause sitzt“ - so klingt es, wenn Wirtschaftsforscher Alois Guger polemisch über Gratismitversicherung spricht.

Derzeit sind rund 50.000 Ehefrauen, die nicht berufstätig sind und keine Kinder haben, beim Ehepartner gratis mitversichert. Sie wären damit auf jeden Fall von Wirtschaftsminister Martin Bartensteins Idee, die Gratismitversicherung für EhepartnerInnen abzuschaffen, betroffen.

Größte Zahl sind Kinder

Die weitaus größte Zahl der 2,7 Millionen Gratismitversicherten sind Kinder, 800.000 sind Frauen. Laut dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger betreuen davon 240.000 keine Kinder (mehr), 50.000 der Frauen im Alter zwischen 20 und 50 Jahren sind kinderlos und nicht berufstätig.

Unklar ist, bis zu welchem Alter der Kinder die Gratismitversicherung bleiben soll: Die Vorschläge reichen von drei Jahren (FPÖ-Sozialsprecher Herbert Haupt) über sechs Jahre bis überhaupt zum Ende der Ausbildungszeit. Je nach Dauer der künftigen Gratismitversicherung schwankt naturgemäß die Zahl der Betroffenen: Im Vorjahr etwa wurden rund 80.000 Kinder geboren. Sollte die Gratismitversicherung nur bis zum 3. Lebensjahr des Kindes erhalten bleiben, wäre ein weit größerer Teil der derzeit 800.000 mitversicherten Frauen betroffen als 50.000.

Höhe der Selbstversicherung

Die Höhe der Selbstversicherung liegt nach geltendem Recht bei mindestens 860 Schilling monatlich. Laut Hauptverband beträgt die Höhe einer Selbstversicherung in der Krankenversicherung 6,8 Prozent des Einkommens.

Rund 70 Milliarden Schilling kostet derzeit die Gratismitversicherung von Kindern und Ehepartnern. Daher sind nach der Ansicht von ExpertInnen Milliardenbeträge einzusparen, wenn die Gratismitversicherung fällt. Allerdings würde eine Aufhebung der Mitversicherung wohl nur mit Übergangsfristen funktionieren. Details einer möglichen Neuregelung werden derzeit von einer ExpertInnengruppe erarbeitet und sollen im August vorliegen. (eli)

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