Creative Writing für hoffnungsvolle Autoren

1. Februar 2008, 11:58
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In der Bestseller-Nation USA bereiten sich angehende Schriftsteller akademisch auf ihre literarische Karriere vor - Den Durchbruch schaffen nur wenige

In der Bestseller-Nation USA bereiten sich angehende Schriftsteller akademisch auf ihre literarische Karriere vor. Wunderkinder wie der junge "Eragon"-Autor Christopher Paolini sind eine Ausnahme. Aber auch von den Akademikern schaffen es nur wenige.

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Wenn es in der zeitgenössischen US-Literatur ein Wunderkind gibt, dann ist das Christopher Paolini. Sein Abenteuerroman "Eragon" verkaufte sich besser als so manches "Harry Potter"-Buch. Der Autor war erst 15 Jahre alt, als er sein erstes Werk schrieb. Und er ist nie zur Schule gegangen - Lesen und Schreiben brachten ihm die Eltern bei; die atemberaubenden Landschaften seines Heimatstaates Montana taten den Rest.

Paolini ist eine Ausnahme. Die meisten erfolgreichen US-Literaten haben ein Diplomstudium in Creative Writing absolviert. Der Lehrgang dauert mindestens zwei Jahre und wird an nahezu hundert US-Universitäten angeboten.

Der Trend hat sich erst Mitte des 20. Jahrhunderts von der University of Iowa aus verbreitet. "Ohne diesen akademischen Ansatz wäre uns so manches gute Buch entgangen", meint Christian Hawkey, Professor für kreatives Schreiben am New Yorker Pratt Institute. "Flannery O'Connor zum Beispiel: Er wäre nie ein großer Romancier geworden, wenn man ihm nicht geholfen hätte, seine Dyslexie zu überwinden."

Die Amerikaner sind der Ansicht, dass sich das Schreiben wie jedes andere Handwerk erlernen lässt. Doch ganz ohne Talent geht natürlich gar nichts. Angenommen werden nur die Studienanwärter, die die besten Leseproben präsentieren - die amerikanischen Fakultäten bilden pro Jahr maximal je zehn angehende Schriftsteller aus.

Am Anfang stehen die Grundtechniken. Professor Hawkey legt großen Wert darauf, dass seine Studenten sämtliche Erzählformen und Stilrichtungen kennen.

Erst wenn sie diese so sehr verinnerlicht haben, dass sie beim Schreiben unbewusst darauf zurückgreifen, kanalisiert er ihre Kreativität. "Dann lass ich sie etwa aus all den Wörtern, die in einem wissenschaftlichen Artikel über das Migrationverhalten der Blauwale vorkommen, eine Geschichte mit literarischem Anspruch basteln." Ziel der Übung ist es, sich von der Idee des autoritären Autors zu befreien und der Kreativität freien Lauf zu lassen.

Im fortgeschrittenen Studium feilen die Schreiberlehrlinge fast ausschließlich an einem Werk, das sie als Diplomarbeit einreichen werden.

Viele ihrer Professoren sind selbst Schriftsteller. Und viel wichtiger als deren Unterricht ist mitunter, was sie außerhalb des Hörsaales für ihre Studenten bewirken können. Erfolgsautor David Foster Wallace, der an der Princeton University unterrichtet, vermittelt regelmäßig Nachwuchstalente an seinen eigenen Agenten. Seine Kollegin Joyce Carol Oates hat sogar eine Schlüsselrolle bei der Entdeckung von Jonathan Safran Foer gespielt, dessen Diplom-Roman "Alles ist erleuchtet" inzwischen auch in deutscher Sprache erschienen ist.

Doch selbst dass größte Talent, das beste Studium und die besten Lehrer sind keine Erfolgsgarantie. Gerade einmal fünf Prozent derjenigen, die ein Hochschulstudium in "Creative Writing" absolvieren, schaffen es letztlich, ein eigenes Buch zu veröffentlichen. Die anderen landen oft im Verlagswesen. Oder sie werden Journalisten ... (Beatrice Uerlings/DER STANDARD Printausgabe, 17./18. Februar 2007)

  • Die Ausnahme: Hinter der Geschichte des Drachenreiters Eragon steht kein Akademiker.
    foto: standard/szenenfoto

    Die Ausnahme: Hinter der Geschichte des Drachenreiters Eragon steht kein Akademiker.

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