Kopf des Tages: Maria Berger

5. März 2007, 12:05
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Die Justizministerin verdankt ihre Bekanntheit dem ehemaligen Bawag-Chef Helmut Elsner

Ihre Bekanntheit verdankt Maria Berger ausgerechnet Helmut Elsner, dem ehemaligen Bawag-Chef. Die Justizministerin war vor der Auslieferung Elsners praktisch kaum wahrgenommen worden, jetzt ist sie für viele eine Heroin. Weil Elsner ausgeliefert wurde. Und weil sie politisch in Frankreich interveniert hatte, wie sie freimütig zugibt - im Hoffen auf Anerkennung und Popularität.

Dass sie politisch in einem laufenden Rechtsverfahren interveniert hatte, wird der Justizministerin allerdings auch zum Vorwurf gemacht. Sie habe damit das Verfahren gegen Elsner gefährdet und möglicherweise zu seinem Freispruch vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof, den der Ex-Banker anrufen könnte, beigetragen, wird gegen sie vorgebracht.

Noch nicht ganz sattelfest

Ganz sattelfest in allen Detailfragen scheint die 50-jährige Justizministerin noch nicht zu sein - ein Umstand, den sie mit großem Engagement wettzumachen versucht. Bis zur Auslieferung Elsners, die in der Tat auf Bergers gute Kontakte zum französischen Justizminister zurückzuführen ist, war sie die graue Maus der Regierung, auch wenn sie sich zu ihrem Amtsantritt vor sechs Wochen ein komplett neues Styling verpasste - neue Frisur, neues Outfit.

In der SPÖ verwurzelt

Maria Berger ist tief in der SPÖ verwurzelt. Sie war Bundesvorsitzende der Jungen Generation der SPÖ, stieg aber relativ spät als Funktionsträgerin in die Politik ein und war als solche vorwiegend im Ausland tätig - was ihren geringen Bekanntheitsgrad erklärt. Die Oberösterreicherin war von 1979 bis 1984 Universitätsassistentin am Institut für öffentliches Recht und Politikwissenschaft der Uni Innsbruck, danach war sie Referentin im Wissenschaftsministerium. Sie war Vizepräsidentin der Donau-Universität Krems und leitete die Europaabteilung des Bundeskanzleramtes. 1994 verschlug es sie nach Genf und Brüssel, wo die Juristin als EFTA-Direktorin für die Anwendung des EU-Rechts im EWR zuständig war. 1996 wechselte sie schließlich als Abgeordnete ins Europaparlament, 2004 übernahm sie von Hannes Swoboda die Führung der SPÖ-Delegation, hatte allerdings Mühe, die politische Präsenz ihres Vorgängers zu erreichen. Als Sachpolitikerin erwarb sie sich allerdings große Anerkennung.

Berger wuchs als älteste von drei Schwestern auf einem Bauernhof in Perg auf. Sie besuchte das Internat der Kreuzschwestern in Gmunden, die politische Ausrichtung hat ihr wohl die Großmutter mitgegeben, die ein großer Fan von Bruno Kreisky war. Heute pendelt Maria Berger zwischen Wien und Perg, wo sie mit ihrer Familie, einer Schwester und der Mutter den Bauernhof bewohnt. In Perg, und das ist in Österreich einzigartig, ist die Ministerin nach wie vor Abgeordnete im Gemeinderat - und Bürgermeister Hermann Peham ist dort ihr Chef. (Von Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe 19.2.2007)

  • Maria Berger ist Justizministerin in Wien und Gemeinderätin in Perg.
    foto: cremer

    Maria Berger ist Justizministerin in Wien und Gemeinderätin in Perg.

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