Taferln am Wegrand

5. März 2007, 10:24
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Alle machen begeistert mit beim Taferlspiel - Von Conrad Seidl

Taferln markieren seinen politischen Weg: Zügig hinauf zur Obmannrolle in der zweitgrößten Partei und zum Königsmacher in der Republik - und an jeder Station zu diesem Erfolg zeigte Jörg Haider auf Taferln, die er zu Fernsehdiskussionen mitbrachte, seine wesentlichen Themen. Diese Form der Visualisierung der Politik hat sich bei Haider verselbständigt - er inszeniert sich mit Taferln. Und seien sie noch so klein. Etwa wie jene, die unten an die eigentlichen Ortstafeln von Bleiburg und Ebersdorf in slowenischer Schrift angeschraubt wurden.

Und alle machen begeistert mit: Haiders Freunde sowieso, seine Gegner, die fleißig auf den absurden Ortstafel-Missbrauch schimpfen, ebenso - aber natürlich auch seine mehr oder weniger kritischen Beobachter in den Medien: Haider mit Taferln jeder Größe ist immer eine passende Illustration für die Zustände in Kärnten und für die eingeschränkte Anwendbarkeit von Verfassungsbestimmungen, auch in dieser Zeitung.

Er greift zum Schraubenzieher

Jetzt also greift Haider zum Schraubenzieher und wir freuen uns auf die nächsten Bilder. Sie werden ihre Wirkung nicht verfehlen: Haiders Gegner werden sie als einen letzten lächerlichen Versuch eines alternden Politikers interpretieren, noch einmal wichtig zu erscheinen. Die überzeugten Deutschkärntner werden im Gegenteil meinen, dass Tafel und Schraubenzieher die geeigneten Waffen sind, die Überfremdungsängste vergangener Jahrzehnte zeitweilig zu verscheuchen.

Und die slowenischsprachige Volksgruppe? Die kommt in der ganzen Debatte bestenfalls am Rande vor. Sie ist ja auch klein und ohnehin mit Identitätsproblemen belastet - vielleicht verschwindet sie ja ganz, wenn man ihr Vorhandensein nicht mit korrekten Ortstafeln dokumentiert. Diese Erwartung steckt hinter den Bildern von Haider und den Taferln. (Von Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe 19.2.2007)

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