Chrysler vor Verkauf

7. März 2007, 16:02
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DaimlerChrysler will angeschlagene US-Tochter offenbar abstoßen - Analysten raten GM dringend von einem Einstieg ab

Der Autobauer DaimlerChrysler bereitet mehreren Presseberichten zufolge den Verkauf der angeschlagenen US-Tochter Chrysler vor. Bereits in dieser Woche werde die vom Konzern beauftragte Investmentbank JPMorgan Unterlagen an potenzielle Interessenten versenden und damit ein Auktionsverfahren einleiten, berichtet die Londoner Tageszeitung "The Times" am Montag. Als Auktionserlös seien sieben Milliarden Pfund (rund 10,4 Milliarden Euro) angestrebt, hieß es.

GM in Vorverhandlungen

Mehrere Interessenten hätten bereits vor Wochen mit der Prüfung einer Chrysler-Übernahme begonnen. Der weltgrößte Autobauer General Motors (GM) befinde sich mit DaimlerChrysler bereits in Vorverhandlungen über eine Übernahme von Teilen oder der gesamten Chrysler-Gruppe. Interesse habe GM vor allem an den Marken Jeep und Dodge.

US-Analysten schlagen angesichts dessen bereits die Hände über dem Kopf zusammen. "Das würde die Schwierigkeiten bei der Sanierung von GM exponentiell steigen lassen", sagte John Casesa, Managing Partner bei Casesa Strategic Advisors, gegenüber Reuters. "Bei Produkten, Fabriken und Händlern gäbe es enorme Doppelungen."

Ein Zusammenschluss würde einen Giganten schaffen, der 40 Prozent des US-Marktes für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge kontrollieren würde - und eine geradezu unübersichtliche Fülle an Produkten, Werken und Beschäftigten. "Wir könnten in einer Übernahme von Chrysler keinen Sinn sehen", kritisierte auch Efraim Levy, Analyst bei Standard & Poor's. "Wir stellen fest, dass GM große finanzielle und operative Probleme hat - die Verluste und Altlasten von Chrysler würden GM nur noch weiter herunterziehen."

Auch Hyundai angeblich interessiert

Interesse an Chrysler zeigt aber auch Hyundai Motor. Der südkoreanische Autohersteller habe dabei besonders am lukrativen Händlernetz von Chrysler in den USA Interesse, berichtete die britische "Sunday Times" unter Berufung auf nicht näher identifizierte Kreise. Ein Hyundai-Sprecher in Seoul wies den Bericht allerdings zurück.

Sowohl GM als auch der mögliche Übernahmekandidat Chrysler, der US-Arm des weltweit fünftgrößten Autobauers DaimlerChrysler, leiden unter der Konkurrenz aus Fernost und sind im Rabattkrieg auf dem US-Automarkt unter die Räder gekommen. Während Daimler in Stuttgart alle Optionen für die verlustreiche US-Tochter prüft und einen Verkauf nicht mehr ausschließt, befindet sich GM mitten in der Sanierung. 2005 fuhr der Autoriese 10,6 Milliarden Dollar Verlust ein, bis September 2006 immer noch mehr als drei Milliarden. Als Folge davon stehen zwölf Werke und 34.000 Jobs vor dem Aus.

DaimlerChrysler wiederum hat jüngst angekündigt, 13.000 Arbeitsplätze zu streichen und ein Werk stillzulegen, nachdem Chrysler 2006 fast 1,5 Milliarden Dollar Miese gemacht hatte.

Versteigerung im März möglich

Einem Bericht des "Wall Street Journal Europe" (Montag) zufolge ist mit einer Chrysler-Versteigerung im März zu rechnen. Zumindest in Teilen der Konzernführung würde einem Verkauf oder einer Abspaltung Vorrang vor einer Sanierung des US-Autobauers gegeben, berichtete das Blatt unter Berufung auf informierte Kreise.

Auch das "Handelsblatt" berichtete am Montag, dass sich im Konzernvorstand die Stimmen für eine Abspaltung mehren würden. Von JPMorgan würden derzeit drei Szenarien durchgespielt: Ein Komplettverkauf, ein Börsengang und strategische Allianzen mit anderen Autobauern. Als potenzieller Einsteiger würden vor allem GM, aber auch Renault-Nissan, gehandelt. Das Chrysler-Management favorisiere dagegen den Ausbau von Kooperationen, wobei auch Volkswagen als Partner in Betracht käme.

Trennungsdruck

Während Analysten GM von einer Übernahme oder Fusion nach dem DaimlerChrysler-Debakel dringend abraten, halten sie eine Trennung von Chrysler und Daimler für sinnvoll: "Das ist nichts Unmögliches. Chrysler war nie richtig integriert, die Firma ist immer noch ziemlich eigenständig", sagte David Cole, Chef des US-Forschungsinstituts Center for Automotive Research. Auch Fondsmanager Feinman meint: "Einziger Profiteur wäre DaimlerChrysler, weil sie Chrysler los wären".

Während WestLB-Analysten davon ausgehen, dass DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche die Weichen bereits auf Trennung gestellt hat, ist die große Unbekannte, ob GM den riskanten Schritt gehen will. Analysten raten zu Kooperationen, Joint Ventures, etwa bei umweltfreundlichen Antriebsarten, oder kleineren Autos. (Reuters/APA/dpa/red)

  • Während eine Trennung von Daimler und Chrysler begrüßt würde, läuten für GM und Chrysler Alarm- statt Hochzeitsglocken.
    foto: epa

    Während eine Trennung von Daimler und Chrysler begrüßt würde, läuten für GM und Chrysler Alarm- statt Hochzeitsglocken.

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