Oliver Kahn platzte der Kragen

2. März 2007, 15:58
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Bayern-Goalie: "Ich fahre doch nicht nach Dortmund und Nürnberg und lass' mir jedes Mal den Hintern versohlen" - Auch Hitzfeld sauer

München - Manager Uli Hoeneß eilte mit rotem Kopf wortlos davon - Oliver Kahn dagegen platzte nach der dritten Auswärtspleite in der deutschen Fußball-Bundesliga-Rückrunde der Kragen. Beim 0:1 in Aachen schüttelte der Kapitän des FC Bayern München nach einer Weltklasse-Parade den Abwehrhünen Daniel van Buyten wie anno dazumal Andreas Herzog ordentlich durch, und auch noch am Morgen danach nahm sich der Torhüter seine Mitspieler vor.

Kahn reicht's mit der Bayern-Krise - schon am Dienstag im Champions-League-Achtelfinale bei Real Madrid erwartet er eine Reaktion seiner leblos wirkenden Mannschaft. "Ich muss anfangen, mich ab einem gewissen Punkt zu wehren. Ich fahre doch nicht nach Dortmund und Nürnberg und lass' mir jedes Mal den Hintern versohlen. Es braucht jetzt Kerle und Jungs, die sich gegen diese Situation stellen", schimpfte der 37-Jährige am Sonntag.

UEFA-Cup statt Champions League?

Nach nur vier von 15 möglichen Punkten nach der Winterpause und schon fünf Zählern Rückstand auf Rang drei droht dem Serienmeister erstmals nach 10 Jahren UEFA-Cup statt Champions League. "Das ist jetzt eine Charakterfrage. Man muss jedem Spieler anmerken, dass es um alles geht für den Verein. Ich hoffe nicht, dass das dem einen oder anderen am Arsch vorbei geht", sagte Kahn, der trotzdem an einen möglichen großen Wendepunkt in Madrid glaubt: "Das Spiel gegen Real ist einfacher."

Kahn träumt sogar davon, dass eine verkorkste Saison noch ein Happy-End haben kann: "Natürlich ist es möglich, die Champions League zu gewinnen, aber dann muss man das erzwingen." Auch Hitzfeld hält die Wiederholung des Triumphes von 2001 für möglich - "wenn wir unsere Mittel zu hundert Prozent ausschöpfen". Nach dem neuerlichen Desaster in Aachen nahm sich der Interimscoach seine Spieler aber erst einmal zur Brust.

Hitzfeld fordert Einsatz

"Man kann nicht nur immer Streicheleinheiten verteilen, man muss intern auch mal eine andere Wortwahl wählen", berichtete Hitzfeld am Sonntag nach der Mannschaftssitzung. Er fordert von allen jenen Einsatz, den Kahn zeige: "Zehn Prozent Willensstärke und Leidenschaft fehlen."

Nach der Rückkehr aus Aachen ließ Hitzfeld seine Spieler noch am Samstagabend zu "Nacht"-Training und Regeneration antreten. Die vorher beschlossene Maßnahme für das Real-Spiel wirkte im Nachhinein wie eine Strafaktion. "Wir leben bei Bayern im Paradies. Aber unsere ungewöhnliche Situation erfordert ungewöhnliche Maßnahmen", begründete Hitzfeld und schlug Alarm: "Uns steht das Wasser bis zum Hals."(APA)

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    Kahn schnappt sich Mitspieler van Buyten.

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