der schönste Tag der Woche: Die Echtzeitinformation

17. Februar 2007, 00:00
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Ein neuer Service der ÖBB, der Kurt Palm bis heute Kopfzerbrechen bereitet und die englische Königin Maria I.

Dass die ÖBB einen Hang zur Selbstironie haben, zeigt sich schon allein daran, dass sie einen ihrer Züge, den IC 645, "Beste Österreichische Gastlichkeit" nennen. Aber ich will jetzt gar nicht fragen, was die ÖBB unter "Gastlichkeit" verstehen, sondern auf einen Aspekt hinweisen, den der Braintrust, der sich solche Namen ausdenkt, offenbar nicht bedacht hat, nämlich dass die Schaffner ihre Lautsprecherdurchsagen auch auf Englisch machen müssen. Und glauben Sie mir: Wenn ein österreichischer Schaffner "Best Austrian Hospitableness" sagt, dann klingt das nicht unbedingt nach einer Lobpreisung der hiesigen Gastlichkeit.

Schwer haben es auch Zugbegleiter im EC 561 "Europäischer Computer Führerschein". Als ich kürzlich mit diesem Zug von Salzburg nach Wien unterwegs war, musste in Attnang-Puchheim ein außerfahrplanmäßiger Halt eingelegt werden. Also sprach der Schaffner: "Wi wellkamm nau aua nju pessenschas on board of se treen Juropien Draiwers Laisens. Our next stop is not Wels, sondern Attnang-Puchheim." Aber alles ging gut, und der Zug erreichte Wien mit einer minimalen Verspätung von zehn Minuten.

Was mir auf dieser Fahrt aber zum ersten Mal auffiel, war ein neuer Service der ÖBB, der mir bis heute Kopfzerbrechen bereitet. Dieser Service wird auf dem Deckblatt der - schriftlichen - Reisebegleiter folgendermaßen beworben: "JETZT NEU: Echtzeitinformation! Für Zuginformationen senden Sie eine SMS mit Ihrer Zugnummer 'at 561' an 0664 660 6000 und Sie erhalten den nächsten Halt und die aktuelle Reisezeit für den Zug EC 561." Verstehe ich hier etwas falsch? Aber für die "Echtzeitinformation" wurde bereits vor ein paar hundert Jahren ein Gerät erfunden, das sich "Uhr" nennt und das sich auch in unseren Breiten großer Beliebtheit erfreut. Und um den nächsten Halt zu erfahren, brauche ich doch bloß den Zugbegleiter, den ich ja in Händen halte, lesen. Außerdem werden diejenigen, die es interessiert (oder auch nicht) von ihren Angehörigen ohnehin ständig darüber informiert, wo sie sich in "Echtzeit" gerade aufhalten. Schließlich wird beim Bahnfahren kein Satz so häufig in ein Handy gesprochen, wie dieser: "Du, i sitz jetzt im Zug." (Und dafür werden Satelliten ins All geschossen.)

Nachdem ich mich also damit abgefunden hatte, dass ich das Geheimnis um die "Echtzeitinformation" und das Mysterium um die Namen der ÖBB-Züge nie ergründen würde (schön ist auch "Willkommen im Parlament", EC 663), widmete ich mich wieder meinem Sandwich und war froh, dass ich wenigstens wusste, weshalb das Sandwich Sandwich heißt und nicht etwa Montagu. Das wäre nämlich insofern naheliegender, als der 4. Earl of Sandwich mit bürgerlichem Namen John Montagu hieß.

Aber eigentlich wollte ich ja auf die englische Königin Maria I. zu sprechen kommen, die am 18. Februar 1516 im Pa-lace of Placentia in Greenwich geboren wurde und die in ihren letzten drei Regierungsjahren 300 protestantische "Ketzer" hinrichten ließ, weshalb sie den Beinamen "Bloody Mary" erhielt. Daran sollten Sie denken, wenn Sie sich das nächste Mal im IC 640 "60 Jahre Katholische Frauenbewegung" ganz cool eine "Bloody Mary" bestellen. (Kurt Palm /ALBUM/ DER STANDARD, Printausgabe, 17./18.02.2007)

  • Artikelbild
    foto: standard/matthias cremer
  • Kurt Palm
    foto: michaela mandel

    Kurt Palm

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