Kulturelle Schnittstellen managen

20. Juni 2007, 13:20
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Im Wandel der Kultur­landschaft verändern sich auch die Kulturma­nager - Spezifisches Wissen und transparen­te Prozesse sind gefragt

Am Institut für Kulturmanagement und Kulturwissenschaften werden Schnittstellenmanager zwischen Kultur und Wirtschaft ausgebildet.

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Die Schnittstelle zwischen Kultur und Management sei als Berufsfeld in geringem Maß institutionalisiert, Berufsverbände seien kaum vorhanden, ebenso wie Standardisierungen, so einleitend in der Studie "Junge KulturmanagerInnen - Berufsfeld, Berufseinstieg, Berufsbedingungen" von Manuela Kohl und Tasos Zembylas zu lesen.

Befragung unter Absolventen

Befragt wurde dafür jene Gruppe, die seit 1999 (die letzte Absolventenbefragung fand im Sommer 2005 statt) den postgradualen Lehrgang Kulturmanagement belegt und großteils absolviert hatte. Insgesamt sind es rund 240 Personen - der konkrete Datensatz für die Untersuchung beruft sich auf Informationen von 92 Studierenden, von denen 70 abgeschlossen haben.

Spannend - auch für die weitere Fortsetzung des Faches am Job - sei, dass der Beruf des Kulturmanagers sich parallel zur Transformation des Kulturbetriebes im Allgemeinen und der Kulturorganisationen im Besonderen entwickelt habe. Diese Unterschiede zwischen "alten" und "neuen" Jobprofilen lassen sich auf drei Punkte herunterbrechen:

a) Die Nachfrage nach Fachwissen sei gestiegen, insofern haben sich die universitären Aus- und Weiterbildungsangebote verändert und somit auch das Berufsfeld.

b) Die zunehmende Arbeitsteiligkeit sowie die stärker geforderte Transparenz seitens der Förderer erhöhe den Planungszwang und erweitere den Verantwortungsbereich.

c) Die Veränderung im Verhalten und im Führungsstil von Kulturmanagern entstand durch die Demokratisierung des Gemeinwesens und der Kultur sowie dem zunehmenden "Egalitarismus", heißt: verbesserte Chancen für Frauen, in leitende Positionen des Kulurbetriebes zu gelangen.

Klingt sperrig, zeigt aber das Bemühen sowie die Notwendigkeit nachhaltiger Entwicklung im Fach, was schließlich im Interesse aller liegen dürfte, also eine "res publica" ist. Und: Weil nie ein Nachteil, wo nicht auch ein Vorteil - ein wenig standardisiertes Berufsfeld weist ungleich mehr Gestaltungsmöglichkeiten auf.

Weibliche Domäne

Ähnlich wie bei den allermeisten Studiengängen sind auch im Kulturmanagement mehr Frauen als Männer anzutreffen. Unter den für die Studie Befragten waren 64 Prozent weiblich und knapp 36 Prozent männlich. 58 Prozent aller Befragten hatten davor ein geistes- oder kulturwissenschaftliches Studium abgeschlossen (der Großteil darunter waren Frauen).

Darauf folgten die Absolventen künstlerischer Fächer (17 Prozent), die Wirtschafter mit knapp 14 Prozent und die Juristen mit acht Prozent (siehe Grafik). Die allermeisten, die dieses Studium belegen, seien von ihrem Willen getragen, ihr Wissensspektrum zu erweitern und ihre Karrierechancen zu erhöhen.

Kleinstunternehmer

Grundsätzlich, so die Studienautoren Kohl und Zembylas, sei der österreichische Kunstsektor mit jenem in Finnland und Spanien vergleichbar (Anm.: In der Studie wird nur Bezug auf Europa genommen): Der privatwirtschaftliche Bereich (ohne u. a. Architektur, Softwareentwicklung oder Werbemittelgestaltung) zeichne sich durch eine Kleinstunternehmerstruktur aus, der rund vier Prozent aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftige. Davon seien rund ein Drittel Kulturschaffende im engeren Sinn (u. a. Autoren, bildende und darstellende Künstler, Musiker und Komponisten). Zudem sei der Anteil an Selbstständigen oder freien Mitarbeitern sehr hoch (meist Ein-Personen-Unternehmen).

Junge

Im Beziehungsmanagement der im Sektor befindlichen Institutionen öffentlicher oder privater Natur - dieses reicht von Kooperationen bis hin zu Sponsoring - seien immer mehr junge Kulturmanager zu finden. Sie würden als Schnittstellenmanager die interne Planung, die Koordination, die Außenwirkung und Kooperationsmöglichkeiten von Kulturbetrieben verbessern, so die Studie.

Zusatzqualifikation

Interessant sind die Ergebnisse auch in Hinsicht auf den Nutzen einer Zusatzqualifikation im Kulturmanagement (siehe Grafik). Für die Zusagen - im Rahmen unterschiedlicher Bewerbungsverfahren - gaben 73 Prozent der Befragten an, dass Qualifikation und Persönlichkeit den Ausschlag gegeben hätten.

Für knapp 56 Prozent war bereits vorhandene Berufserfahrung entscheidend - Alter, Geschlecht, Herkunft sowie Gehaltanspruch spielten im Rahmen von Jobzusagen eine eher marginale Rolle (rund zehn Prozent).

Mit dem Job zufrieden

Als Hauptgründe für Jobabsagen gaben die Befragten zu 43 Prozent die Konkurrenz am Arbeitsmarkt an sowie eine unzureichende, falsche oder zu hohe Qualifikation.

Mangelnde praktische Erfahrung in bestimmten Bereichen wurden von knapp 36 Prozent genannt. Für 25 Prozent lag die Absage am Gehaltsanspruch. Immerhin seien aber zwei Drittel der Kulturmanagement-Absolventen tatsächlich im Fach tätig (siehe Grafik).

Im Job selbst scheint die Arbeitszufriedenheit groß: 70 Prozent der Befragten (mit Job) gaben an, sehr selbstständig arbeiten zu können, so die Studie. Fast die Hälfte gab an, sich im Job selbst verwirklichen zu können - keiner der Befragten war der Meinung, am derzeitigen Arbeitsplatz nicht kreativ gefordert zu sein.

Motivationsfaktor

Dieser verhältnismäßig hohe Zufriedenheitswert sei auf die hohe intrinsische Motivation der Befragten zurückzuführen. Diese sei in einem neuen, kaum institutionalisierten Berufsfeld auch notwendig, so die Studienautoren. Unzufriedenheit wurde meist von jenen Befragten geäußert, die in großen Organisationen tätig sind: Hier war die geringe Einflussnahme an oberster Stelle genannt.

Der postgraduale Lehrgang Kulturmanagement wird in Österreich nur am Institut für Kulturmanagement und Kulturwissenschaft (IKM) der Universität für Musik und darstellende Künste abgehalten. Er dauert vier Semester und ist berufsbegleitend zu absolvieren. Die Kosten für ein Semester belaufen sich auf 1200 Euro, die Bewerbungsfrist läuft für dieses Jahr bis Anfang Mai 2007. Der nächste Lehrgangsbeginn ist Oktober 2007. (Heidi Aichinger, Der Standard, Printausgabe, 17./18.02.2007)

  • Artikelbild
    grafik: standard/quelle: sws-rundschau (46. jg.) heft 4/2006
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