Eigenes Themenpark-Deck

27. Februar 2007, 12:32
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Eine Themenkreuzfahrt bietet mehr als Unterhaltung an Bord. Im Fall der "MS Astor" scheint das Schiff nur der Zubringer zu sein

Tag sieben bis Tag elf: "Erholung auf See." Das kann anstrengend werden, zumal der Bordmagier immer wieder denselben weißen Hasen aus dem Hut zaubert. Da ist auch die Schiffskapelle kein Rettungsanker mehr, wo man bereits darum betet, dass die brasilianische Samba-Cover-Band aus Recklinghausen endlich den Blues bekommt.

Fakt ist allerdings, dass sich die Zahl der Kreuzfahrer in Europa in einem Zeitraum von zehn Jahren zwischen 1995 und 2005 mehr als verdreifacht hat. Wenn man an diesem Trend in nur einem Jahr mit einem Wachstum der Passagierzahlen um 71 Prozent Teil hat, kann das nicht schlicht an der Vergrößerung der Flotte liegen. Denn die drei neuen Schiffe des Bremer Kreuzfahrtunternehmens "Transocean Tours" benötigen mehr als nur den Grundsatz der Verdrängung, um sich langfristig über Wasser halten zu können.

Auf der "MS Astor" etwa wird in der kommenden Saison die Idee, Themenreisen mit ernst zu nehmenden Unterhaltungswert anzubieten, weiter intensiviert. Als Kreuzfahrer muss man nicht einmal unbedingt den Oktober abwarten, bis das Schiff zu exotischen Zielen wie dem Amazonas aufbricht, wo die Leica-Akademie über die Tiefenschärfe des Urwalds referiert. Es reicht schon, wenn man sich thematisch in Europa bewegt. Dann allerdings nicht nur im Kreis auf dem Sportdeck, sondern etwa mit Nor-dic-Walking- Stöcken rund um das Nordkap.

Dem Bewegungsdrang auf dem Schiff scheint man generell mit der Destination Norwegen entgegenkommen zu wollen. Im August etwa holt sich "Transocean Tours" Hans Kammerlander an Bord, der nicht nur über die schwierigsten (literarischen) Passagen "seiner" dreizehn Achttausender berichtet, sondern die Wanderungen an Land auch tatsächlich begleitet.

Apropos Landgang: Im Fall der "MS Astor" entsteht oft der Eindruck, dass sie überhaupt nur ein - wenngleich auch überdurchschnittlich gut ausgestatteter - Zubringer zu den Themenschwerpunkten auf diesen Reisen ist. Hans-Helmut Poppendieck vom Botanischen Verein zu Hamburg dient sie als zuverlässiges Shuttle, das im Orbit um die Parks und Gärten der Britischen Inseln kreist. Jim Graham benutzt die "Astor" vorwiegend als Golfwagerl, um vom Abschlag in England zum achtzehnten Loch an der Algarve zu kommen. Bis zu sechs Golfplätzen werden auf manchen Routen angefahren, wo man sich vom PGA Professional wertvolle Tipps im Grünen holen kann.

Neu in dieser Saison ist ein Baukastensystem für das Mittelmeer, bei dem die "MS Arielle" in Verbindung mit verschieden Hotels in den Starthäfen Nizza oder Mallorca gebucht werden kann. Modular aufgebaut ist aber auch bei "Transocean Tours" die Kombination aus reiner Kreuzfahrt und den Landgängen. Das bedeutet, wer eine Themenreise plant, muss das Thema - also die Ausflüge an Land - zusätzlich einkalkulieren, damit es dann nicht doch "nur" bei einer Kreuzfahrt bleibt - es sei denn, man gestaltet seine Entdeckungen an Land ohnehin lieber individuell und ohne Begleitmusik. (Sascha Aumüller/Der Standard/ Printausgabe/17./18.2.2007)

Info: Transocean
  • Die thematische Nähe zur Destination macht Kreuzfahrten interessanter.
    foto: transocean tours

    Die thematische Nähe zur Destination macht Kreuzfahrten interessanter.

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