Londoner Debatte um "Heuschrecken"

7. März 2007, 13:54
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Die Gewerkschaft GMB macht gegen die Private-Equity-Firma Permira mobil. Die Regierung debattiert über höhere Steuern für privates Beteiligungskapital

In Großbritannien hat jetzt eine monatelange Kampagne der Gewerkschaft GMB gegen private Finanzinvestoren Wirkung gezeigt. Brieflich bat der Chef der Private-Equity-Firma Permira um ein Gespräch mit GMB-Generalsekretär Paul Kenny. Es gebe da offensichtlich einige Unklarheit und Besorgnis, schrieb Damon Buffini. "Ich würde gern die Gelegenheit nutzen, Missverständnisse aufzuklären."

Die versöhnliche Geste des Permira-Chefs soll offenbar einer Diskussion im Vereinigten Königreich die Spitze abbrechen, die Anklänge an die deutsche Heuschrecken-Debatte aufweist. Als "Heuschrecken" hatte der damalige SPD-Vorsitzende und jetzige deutsche Vizekanzler Franz Müntefering jene Investoren bezeichnet, die unrentable Unternehmen aufkaufen, mit hohen Schulden belasten und gewinnbringend weiterverkaufen. Die britische Gewerkschaft befürwortet strengere Bestimmungen für den überaus erfolgreichen Zweig der britischen Finanzwirtschaft.

Permiras Buffini war ins GMB-Visier geraten, weil das Private-Equity-Haus seit knapp drei Jahren am größten Automobil-Club Großbritannien AA (mehr als 15 Millionen Mitglieder) beteiligt ist. 4000 der ursprünglich 10.000 Mitarbeiter wurden entlassen. Zudem verhandelt das AA-Management nicht mehr wie früher mit der GMB, die dadurch an Einfluss verloren hat.

Steuererhöhungen

Dass die Kampagne der Gewerkschaften auf Resonanz stößt, offenbarten zuletzt Äußerung führender Labour-Politiker im Wahlkampf um den Vizevorsitz der Regierungspartei, der im Sommer neu besetzt wird. Jon Cruddas, der Kandidat der Linken, befürwortet "höhere Steuern für privates Beteiligungskapital"; Erziehungsminister Alan Johnson beklagte öffentlich die Entlassungswellen, welche die Übernahme eines Unternehmens durch Private-Equity-Firmen häufig nach sich zieht.

Die Londoner Wirtschaftsblätter verteidigen den Geschäftszweig, weisen aber auch auf negative Aspekte hin. Das Business-Modell der PE-Firmen sei in Ordnung, schrieb die Financial Times, aber es gebe in der Branche "zu große Gier". Die hohen Einnahmen der PE-Manager machten Arbeitnehmer und Investoren zu Verlierern.

Der Chef des Unternehmerverbands, Richard Lambert, warnt vor Überreaktionen. Natürlich könne man die Millionenverdiener der Finanzindustrie "mit Steuern aus dem Markt werfen". Lambert erinnert an die Rolle Londons als derzeit wichtigster Finanzplatz weltweit. Auch die Reaktion der Gewerkschaft GMB auf Buffinis Angebot eines klärenden Gesprächs hätte freundlicher ausfallen können. Man freue sich auf Buffinis Erklärung dafür, warum die Gewerkschaft in der AA nicht mehr erlaubt sei: "Hoffentlich handelt es sich nicht nur um ein Publicity-Manöver." (Sebastian Borger aus London, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17./18.2.2007)

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