Cheyenne war die Lösung

21. März 2007, 09:12
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Wie der Wiener Extremsportler Klaus Bäumel auf die Hunde gekommen ist und Weltmeister wurde

Wien - Belohnung muss schon sein. Also belohnt sich Klaus Bäumel im Sommer für seine kürzlich bei der Schlittenhunde-WM in Auronzo di Cadore gewonnene Goldmedaille mit einer Radtour - von Paris nach Brest und zurück. 1300 Kilometer sind das, dreimal hat Bäumel dieses Rennen schon bestritten. Außerdem ist der 47-jährige Wiener schon die Strecke London-Edinburgh-London (1400 Kilometer) geradelt und in der Wüste Marathon gelaufen.

Der Mann hat also einen gewissen Bewegungsdrang, aber er hat auch einen Beruf - Logistikleiter einer Werbeartikelfirma - und vor allem eine Familie, Gattin Ilka und Tochter Penelope. Penelope und Ilka wollten einen Hund, Bäumel wollte einen Sport, an dem Penelope und Ilka besser teilhaben können als an Extremradrennen, "wo man sich verabschiedet und nach 90 Stunden wieder trifft". Der Hund war die Lösung, er heißt Cheyenne of Polar Moon (5), ist also eine Hündin und, weil ein Siberian Husky, eine Hündin mit Bewegungsdrang. Seit fünf Jahren ist Klaus Bäumel Schlittenhunde-Führer. Er und Cheyenne haben den Sport von der Pike auf gelernt, zuerst Skijöring, wo ein Langläufer seinen ziehenden Hund ordentlich unterstützen muss.

Mit Einkaufswagerl

Als die aus einem Wurf stammenden Choice und Cäsar of Rain Mountain (3) zur Familie gestoßen wurden, sattelte man auf die Kategorie Pulka um. Zwei oder drei Hunde laufen dabei in einem Geschirr und ziehen nicht nur einen Langläufer, sondern auch einen dazwischen gespannten Schlitten, wie er in Skandinavien noch als winterliches Einkaufswagerl dient. Das Sportgerät ist aus Kunststoff.

Es gibt spektakulärere Arten des Schlittenhundesports, "aber die Pulka ist die technisch anspruchsvollste", versichert Bäumel. "Es ist für Hunde schwierig, in einem Gestänge zu laufen." Und für den Hundeführer ist es schwierig, die Pulka, die in Kurven den Hang zum Ausbrechen hat, zu kontrollieren. Dazu kommen die körperlichen Anforderungen. "Bei Extremradrennen kommt man selten über Pulswerte von über 140, hinter meinen Hunden kann der Wert flott auf 175 hinaufschnellen." Über 13,4 Kilometer oder rund 40 Minuten wie bei der WM in Auronzo di Cadore, wo das Wiener Gespann sieben Kontrahenten besiegte, ist das kein Lercherl.

Auch die Hunde - bei der WM liefen nur Cheyenne und Choice, Rüde Cäsar muss noch an seiner Konzentration arbeiten - strengen sich an. "Aber sie tun es freiwillig, mit Freude. Mit Zwang geht nichts."

Wohl ginge etwas mit Zuchtwahl, so gibt es immer wieder Versuche, den Huskys durch Einkreuzen von flotten Läufern Beine zu machen. "In den letzten Jahren wurde viel mit Greyhounds probiert, aber die sind Sichtjäger - sehr schnell, aber nur, bis sie den ersten eingeholt haben", erzählt Bäumel, dessen Hunde reinrassige Huskys sind. Man fährt quasi Rallye, während die eigens für den Rennsport gezüchteten und gekreuzten Hunde laut Bäumel gleichsam die Formel 1 darstellen. Für den Bewegungsdrang und das Familienleben ist der Rallyesport aber völlig ausreichend. (Sigi Lützow - DER STANDARD PRINTAUSGABE 17.2. 2007)

  • Cheyenne machte die Spitze, Choice und Klaus Bäumel folgten zum Weltmeistertitel, Kategorie Pulka.
    foto: bäumel

    Cheyenne machte die Spitze, Choice und Klaus Bäumel folgten zum Weltmeistertitel, Kategorie Pulka.

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