Asiaten fliegen auf Italo-Mode

12. März 2007, 09:26
posten

China wird zum Hoffnungsträger für Italiens Modebranche, die Lieferungen nach Asien sind zuletzt um 15 Prozent gestiegen

Nach schweren Jahren für "Made in Italy" gab es 2006 erstmals wieder Anzeichen für eine sanfte Erholung.

***
Italiens Modebranche atmet auf. Die vierjährige Talsohle ist endgültig durchschritten, nachdem 2006 erstmals wieder eine zaghafte Produktions- und Exporterholung verzeichnet werden konnte. Heuer soll sich die positive Tendenz auf hohem Niveau konsolidieren.

Die Mitte Februar stattgefundene Textilfachmesse Milano Unica ist hervorragend verlaufen. Eine ähnlich positive Entwicklung erwarten Branchenkenner bei der Mailänder Modewoche, die an diesem Wochenende mit über 100 Modeschauen ihren Marathon startet.

Der Präsident des Modefachverbandes SMI-ATI, Paolo Zegna, bestätigt im Gespräch mit dem Standard die derzeitige Trendwende. "Impulse kommen vor allem von den Exporten. Allein im Vorjahr sind die Asien-Lieferungen um 15 Prozent gestiegen. Sollte sich die Entwicklung fortsetzen, so wird China bereits 2010 zum wichtigsten Exportmarkt für Italiens Modebranche avancieren", sagte Zegna.

Hoffnungsträger

Der einstige Konkurrent China wird zum Hoffnungsträger für Italiens Modebranche. Nicht nur wegen des aufnahmefähigen Marktes und dem in China herrschenden Trend zu Marken-und Luxusmode. So haben die über 1100 im Textildistrikt Prato ansässigen, chinesischen Kleinunternehmen einen Wandel des Distriktes bewirkt: Das einstige Industriezentrum von billigen Wollstoffen avancierte in den letzten Jahren zu einem exzellenten Modedistrikt.

Nobelherrenschneider Ermenegildo Zegna hat in China kürzlich ein Joint-Venture gegründet. "Wir produzieren dort Mode im mittleren Preissegment, allerdings nicht unter dem eigenen Markenzeichen. In Europa konzentrieren wir uns auf das oberste Segment", erklärte Zegna den derzeit in Gang befindlichen Trend zu Zusatzproduktionen in Asien. China sei nicht mehr so sehr als Standort für Produktionsauslagerungen, für Ersatzproduktionen zum Inland wichtig, sondern für eine auf den Asienmarkt fokussierte Zusatzproduktion.

Etikettierungspflicht

Keinen Kompromiss kennt Paolo Zegna bei der heiklen Frage der Ursprungsbezeichnung. "Die EU muss die obligatorische Ursprungsbezeichnung einführen", plädierte Zegna. "Nicht nur die Unternehmer, auch die Verbraucher müssen geschützt werden. Sie haben das Recht zu erfahren, woher das begehrte Produkt stammt." In Amerika sei die Etikettierungspflicht seit langem üblich. Zegna sprach sich auch positiv für die von der EU eingeführten Antidumpingmaßnahmen gegenüber chinesischen Schuhimporten aus. Die von EU-Kommissar Peter Mandelson geforderte Abschaffung der Maßnahme hält er für gefährlich.

Nischenposition

Die italienische Modeindustrie kommt auf einen Weltmarktanteil von knapp zehn Prozent. "Wir haben am Weltmarkt eine hoch qualitative Nischenposition, diese können wir noch ausbauen", zeigte sich Zegna zuversichtlich.

Die Strukturbereinigung im italienischen Modesektor sieht er als weitgehend abgeschlossen. In den vergangenen fünf Jahren mussten mehr als 10.000 italienische Textil-und Bekleidungsunternehmen zusperren. Von der Produktionsstilllegung waren vorrangig die Unternehmen des unteren und mittleren Preissegments betroffen. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17./18.2.2007)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Textilkünstler aus Italien samt nachgelagerter Industrie setzen nun verstärkt auf Asien, wo man immer mehr Gefallen an schicker Kleidung findet. Im Bild die Präsentation einer Zegna-Kollektion.

Share if you care.