Der weltberühmte Zettelschreiber: Peter Paul Skrepek blickt zurück

Redaktion, 16. Februar 2007, 19:00
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    foto: standard/andy urban

    Gewerkschafter Peter Paul Skrepek, heute ein gefragter Zilk-Imitator.

Der Gitarrist und Gewerkschafter über seinen ehemaligen Bandleader Falco

Wien - Wenn man weg ist, also tot, werden der Freunde mitunter mehr, und Peter Paul Skrepek, Gitarrist und Gewerkschafter, will nicht zu dieser wundersamen Vermehrung beitragen. Er nennt sich lieber einen Falco-"Kollegen", einen, der einst zufällig in dieselbe Schule ging und so "quasi in der ersten und dann viel später in der letzten Falco-Phase" dabei war. "Die Schule haben wir im selben Jahr verlassen, später haben wir als Studiomusiker für Boygroup-artige Formationen Playbacks aufgenommen. Wir waren damals so Mitte 20. Ja, und sogar ein Trio hatten wir zusammen. Das ist aber über zwei Auftritte nicht hinausgekommen."

Als man sich dann musikalisch wieder traf, hatte Falco einen "ziemlichen Weg" zurückgelegt. Gewissermaßen einen von Wien in die Welt hinaus und wieder zurück. Skrepek erlebte - zwischen 1992 und 1996 - einen Menschen, der mittlerweile den Rollenwechsel beherrschte: "Es gab da keinen Falco-Auftritt bei den Proben, er hatte zwei Gesichter. Er war einerseits wichtig für Band, hat sich um die Musiker gekümmert. Einmal hat er ein Plakat für eine Tournee einstampfen lassen, weil die Musiker nicht drauf standen. Nach außen hin war er der Popstar, und er hatte das Potenzial, das durchzuziehen."

Für kurze Zeit auch auf Weltniveau, was - als die "Brötchen" wieder kleiner geworden waren - letztlich diesen widersprüchlichen Falco-Eindruck nach sich zog: zu groß für Österreich, aber zu klein für die Welt. Für Skrepek ist da manches erklärbar.

"Zu 'Junge Römer' habe ich eine Geschichte, zu einer Platte also, bei der heute alle sagen, es sei ein richtungsweisendes Werk. Ich fahre also im Auto, höre Ö3, das war vor 20 Jahren, und nachdem sie die Nummer 'Junge Römer' gespielt hatten, sagt ein Moderator: 'Das war Falco, aber jetzt spielen wir ordentliche Musik.' Bei solchen Erfahrungen kann ich schon verstehen, dass er diese Leute nicht gerade in seine Privatsphäre gelassen hat, und dass dann der Ruf des arroganten Schnösels entstand. Zudem: Wir haben hierzulande diesen Komplex, quasi: Wer von hier ist, mit dem kann es nicht weit her sein. So was zu überwinden, das kostet die fünffache Energie."

Der Tournee-Chaot

Tourneen mit Falco? "Es gab schon auch brenzlige Situationen.Wir hatten da einen Auftritt bei einem New-Wave-Festival im Osten Deutschlands. Er wollte nicht spielen, es ging ihm nicht gut. Wir wollten aber. Na, er hat dann während des Konzertes Leute aus dem Publikum auf die Bühne geholt, ein totales Chaos, nach 20 Minuten wurde der Gig dann abgebrochen. Normalerweise war er aber ein Profi."

Skrepek zu Falco, dem Kreativen: "Wenn ich mir heute ansehe, wie er getextet hat, und wie das mit der Musik zusammenging, das hat viele Dimensionen, war komplex." Irgendwo hat Skrepek auch "Dokumente" dieses Schaffensprozesses: "Falco war ein Zettelschreiber, ich hab da noch einige Tourneezettel übrig."

Der jetzige Rummel um den Kollegen? "Na, ja. Wir hatten nur einen mit diesem Status, der ist tot, und das ist traurig." Die unsterblichen Selbstmordspekulationen? "Er war schon mal oben, mal unten, aber Selbstmord? Ich halte das für ausgeschlossen. Solche Dinge tragen nur dazu bei, die Marke Falco weiter vermarkten zu können. Und das ist nicht sehr sympathisch. Leute partizipieren heute an ihm, die damals zu seinem Erfolg nichts beigetragen haben." Wie könnte man ihn sich heute vorstellen, als Starmania-Juror etwa? "Kann mir vorstellen, dass er das gemacht hätte! Da wäre dann eine kompetente Jury gewesen." (Ljubisa Tosic / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17/18.2.2007)

Die Falco-Band spielt am 21. und 22. 2. im U4, 20.00.
per verser
01
18.2.2007, 16:14

man freut sich sehr, eine derart angemessene und pietätvolle äußerung zum verstorbenen zu lesen. danke, herr skrepek!

barry mccoist
02
18.2.2007, 14:12
ad Selbstmord / ad Skrepek

1. jede/r die/der schon einmal in der dom.rep. autogefahren ist, kann bestätigen, dass die chancen von einem schulbuss (motto: der stärkere hat vorrang) "geküsst" zu werden sehr gross sind. dafür reicht auch vollständige nüchternheit. insofern halte ich sämtliche selbstmordinterpretationen für peinlich
2. vorposter erwähnen skrepek und ponger als positive beispiele. möchte mich anschliessen. es gibt herrschaften, die werden auch noch zum 100. geburtstag die hand aufhalten und am "mythos falco" gross mitverdienen (spiegel, doro etc.etc.) - glücklicherweise gibt es auch ausnahmen...

apropos: mit wieviel falco-millionen hat sich eigentlich ronny seunig nach australien vertschüsst...???

PS: das kürzel R.I.P. sollte auch für hans hölzel gelten

Badwordsfilter
02
17.2.2007, 01:09

guter mann, der herr skrepek.
das stück "Überlebenskünstler - Helmut Zilk im Gespräch mit Adolf Hitler" ist ein muss!

Herr Dr. Bitter
07
16.2.2007, 19:26

Ein erfreuliches, weil fast ungeschwätziges Statement.

Noch erfreulicher verhält sich nur Robert Ponger.

Er hat den größten Anteil an Falcos Erfolg und gibt überhaupt keine Interviews.

Hut ab.

Darius Minor
00
18.2.2007, 19:30
Das koennte natuerlich auch daran liegen,

das Robert Ponger vor eineinhalb Jahren in Konkurs gegangen ist und wohl wenig darauf erpicht sein duerfte, das an die große Glocke zu haengen.

... trotzdem Respekt an musikalische Großhirne wie ihn, die Bolland Brothers, oder auch Thomas Rabitsch ...

Die Wehleidigkeit in Kulturkritik™
02
18.2.2007, 02:09
Wie wahr!

(Im traurigen Gegensatz zum "Halslosen" der Nation Markus Spiegel.)

Robert Ponger Forever!

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