Bye-bye Sonderausgaben

26. Juli 2007, 10:06
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Amerikas Top-Manager müssen wegen neuer Bilanzregeln künftig auf so manches schöne Extra und exorbitante Präsent verzichten

"Lieber erfolgreicher Amerikaner: Hiermit rufen wir Sie auf, die soziale Integration unserer Topmanager voranzutreiben. Sie haben das Recht, wie jeder andere Staatsbürger, ohne Vorurteile und Neider leben zu dürfen." Mit diesen sarkastischen Worten begann zuletzt ein vier Seiten starker Essay, veröffentlicht in der amerikanischen Monatszeitschrift Harper’s. Das Schreiben richtet sich gegen die amerikanischen Firmenlenker. Die verdienen heute viermal mehr als vor fünfzehn Jahren. "Manche fahren Vermögen ein, bei denen selbst so mancher großer Rockstar nicht mithalten kann", so der New Yorker Unternehmensberater Ira Kay.

Paradebeispiel

Goldman Sachs. Der Aufsichtsratsvorsitzende der bekannten Investmentbank Lloyd Blankfein nahm vergangenes Jahr 53,4 Millionen Dollar mit nach Hause. Damit ist er zum höchstbezahlten Firmenlenker in der US-Geschichte aufgestiegen. Unter dem Strich lagen die Jahresendboni an der Wall Street satte 17 Prozent höher als im Jahr zuvor. Doch damit nicht genug. Die amerikanischen Besserverdiener werden auch anderweitig mit einer ganzen Menge Extras verwöhnt.

Zuckerl mit Wende

Laut einer Umfrage des Washingtoner Beraterunternehmens Mercer erlauben 55 Prozent der größten US-Konzerne ihren Top-Managern derzeit die freie Benutzung von Firmenjets. 50 Prozent spendieren ihnen Gratis-Finanzberatung, 43 Prozent einen Dienstwagen und 27 Prozent Klubmitgliedschaften.

Die US-Bevölkerung hat lange über all das hinweggesehen. Doch jetzt hat sich das Blatt gewendet. Eine Frage der rezenten US-Bilanzierungsskandale, wo sich Führungskräfte auf Kosten der Kleinanleger und Belegschaft bereicherten, sowie: der ungleichen Verteilung. Die Kluft zwischen Arm und Reich vergrößert sich zusehends in Amerika. "Ein US-Manager verdient heutzutage 5000-mal mehr als der gewöhnliche Arbeitnehmer", erläutert der Wirtschaftspolitologe Jeff Laurenti. "Hinzu kommt, dass die Einkommen der Mittelschichten schon seit Jahren stagnieren."

Veröffentlichungspflicht

Der öffentliche Druck ist so groß geworden, dass die US-Börsenaufsicht SEC eingegriffen hat. Seit dem 1. Jänner gelten neue, harte Regeln, die zumindest einem Großteil der Managerextras den Garaus machen sollen. Die Aktionäre und Mitarbeiter können sich fortan frei über die Schmeichelgeschenke an die Vorgesetzten informieren – und damit womöglich Aufsichtsräte in peinliche Erklärungsnot bringen, die interne Klüngeleien genehmigen. Unter Aktenzeichen RIN 3235-AI80 schreibt die SEC den Konzernen vor, nunmehr alle Sonderausgaben im Paket mit anderen Finanzleistungen für die Führungsriege explizit zu veröffentlichen, wenn sie die Bilanz um mehr als 10.000 Dollar belasten.

Bisher durften sogenannte "Perks" von bis zu 50.000 Dollar im Kleingedruckten versteckt oder ganz geheim gehalten werden. Jede achte Firma, so ermittelte das Beraterunternehmen Mercer, hat die exorbitanten CEO-Präsente inzwischen abgeschafft. "Und das ist erst der Anfang", sagt der Mercer-Experte Mark Borges. Unterstützt wird der Trend hin zu einer gerechteren Verteilung der Einkommen auch von der Politik. Die neue, demokratische Kongressmehrheit hat Anhörungen zu diesem Thema bereits auf die Agenda gesetzt.

Die Vergütungen der Besserverdiener sollen endlich an die Leistung gekoppelt werden. Das war in den letzten Jahren oft nicht der Fall. Als etwa Robert Nardelli, CEO des im Dow Jones Index notierten Baumarktriesen Home Depot, kürzlich wegen mangelnder Ergebnisse zum Rücktritt gezwungen wurde, kassierte er eine Abfindung von sage und schreibe: 210 Millionen Dollar. (Der Standard, Printausgabe,Beatrice Uerlings, 17./18.2.2007)

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    foto: photodisc
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