Zwei neue Verdachtsfälle in Oberösterreich

15. März 2007, 15:18
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20-jährige Mutter eines dreijährigen Buben in Linz angezeigt - Jugendwohlfahrt: Mit Affäre um drei Mädchen nicht vergleichbar

Linz – Der Fall der verwahrlosten Mädchen vom Linzer Pöstlingberg hat die Öffentlichkeit sensibilisiert. Nach einem Verdachtsfall in Fürstenfeld in der Steiermark, eine 30-Jährige Frau hatte mit ihren drei Kindern in einer völlig verwahrlosten Wohnung gelebt, wurden am Freitag in Oberösterreich zwei weitere Fälle bekannt.

In Linz soll eine 20-jährige Mutter mit der Erziehung ihres dreijährigen Sohnes völlig überfordert gewesen sein. Der Urgroßvater der jungen Frau hatte bereits seit rund zwei Wochen nichts mehr von Mutter und Kind gehört. Vergangenen Sonntag öffnete der 65-Jährige dann mit einem Zweitschlüssel die Wohnung im Linzer Franckviertel. Der Mann fand aber lediglich zwei abgemagerte Katzen und einen geschwächten Hund vor, die Wohnung war voll von Exkrementen und Müll. Der Urgroßvater erstattete Anzeige, die Polizei fand die Mutter und ihren dreijährigen Sohn bei einer Freundin der 20-Jährigen.

Bub in Obhut der Urgroßeltern

Ermittlungen ergaben, dass die junge Frau bereits vor rund zwei Wochen die Tiere allein in der Wohnung zurückgelassen hatte und zur Freundin gezogen war. Der körperlich gesunde Bub wurde der Mutter abgenommen und befindet sich jetzt in der Obhut der Urgroßeltern. Die Jugendwohlfahrt der Stadt Linz begleitet die Frau bereits seit mehreren Jahren. "Es hat kaum Schwierigkeiten gegeben. Erst im Dezember 2006 kam dann die Meldung von Verwandten über Probleme der Mutter", schildert die Leiterin der Linzer Jugendwohlfahrt, Brigitta Schmidsberger, im STANDARD-Gespräch den Fall. Der letzte Hausbesuch hätte am 12. Jänner stattgefunden und da wäre die Wohnung "in einem akzeptablen Zustand" gewesen, so Schmidsberger.

Der Fall sei mit den Kindern vom Pöstlingberg nicht vergleichbar. "So etwas gehört für uns zum Alltag. Zwei bis drei Mal im Monat setzen wir die Maßnahme Gefahr im Verzug und nehmen mitunter Kinder ab", so Schmidsberger.

Auch im Bezirk Rohrbach wurde ein Fall von drei Mädchen publik, die unter widrigen Verhältnissen aufwachsen sollen. Der Bezirkshauptmannschaft ist der Fall seit rund drei Jahren bekannt, die Familie wird entsprechend psychologisch begleitet. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD - Printausgabe, 17./18. Februar 2007)

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