Microsoft warnt vor überhöhten Erwartungen an Windows Vista

16. März 2007, 13:29
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Weltgrößter Softwarekonzern relativiert Hoffnungen über kräftige Impulse durch neues Betriebssystem

Seattle - Microsoft-Chef Steve Ballmer rudert nach anfänglicher Euphorie über das neue Betriebssystem Vista wieder zurück. Die Erwartungen mancher Analysten seien viel zu hoch, sagte Ballmer am Donnerstagabend (Ortszeit) in New York. Zum Start des Windows-XP-Nachfolgers Ende Jänner hatte Ballmer noch selbst einen Umsatz-"Boom" für Microsoft prognostiziert.

"Einige der Umsatz-Modelle und Vorhersagen, die ich für Windows Vista gesehen habe, sind übermäßig aggressiv", sagte der CEO der weltgrößten Softwareschmiede am Donnerstag vor Analysten mit Blick auf deren Schätzungen. Vista werde dem PC-Markt durchaus einen Schub versetzen. Die normalen Wachstumsraten würden jedoch wohl nicht großartig übertroffen werden.

Microsoft hatte Ende Jänner zum weltweiten Verkaufsstart des größten Konzern-Hoffnungsträgers erklärt, die Verbraucher würden schneller auf Vista umsteigen als bei früheren Aktualisierungen des Windows-Betriebssystems. Dies hatte Spekulationen auf kräftige Umsatzsteigerungen geschürt.

Für das laufende Geschäftsjahr geht Microsoft davon aus, dass der Umsatz mit Windows um elf bis zwölf Prozent über den 13,2 Mrd. Dollar (10,05 Mrd. Euro) des Vorjahrs liegt. Wieviel der Windows-Umsatz 2008 zulegen wird, darauf wollte sich Ballmer nicht festlegen. Als ein Analyst von sechs Prozent sprach, lachte Ballmer und sagte, dies sei eine "kleine, aber nicht winzige" Zahl.

Hohe Ausgaben

Die unerwartet hohen Ausgaben, die in diesem Jahr um 2,7 Mrd. Dollar zulegten, werden im kommenden Geschäftsjahr wieder leicht zurück gehen, sagte Ballmer. Insgesamt hat die Entwicklung von Vista, das nach über fünf Jahren das betagte Betriebssystem Windows XP ablöst, das Unternehmen rund sechs Mrd. Dollar gekostet.

Microsoft-Aktien gaben außerbörslich mehr als ein Prozent nach. Der Optimismus der Investoren mit Blick auf die Vista-Einführung hatte den Aktienkurs seit Juni um 30 Prozent nach oben gezogen.

Rick Sherlund, Analyst der Goldman Sachs Group, erwartet mit Vista im kommenden Geschäftsjahr einen Umsatzzuwachs von zehn Prozent auf 16,3 Mrd. Dollar. Nach Erwartungen von Charles Di Bona von Sanford C. Bernstein könnte der Softwarekonzern sogar um 14 Prozent zulegen. Möglicherweise folge Ballmer mit seiner Euphorie-Warnung aber auch nur Microsofts traditioneller Tendenz zu konservativen Finanzausblicken, schätzte Ken Allen, Analyst bei T. Rowe Pirce Associates.

Windows läuft auf rund 95 Prozent aller Computer weltweit. Für Microsoft ist es das Produkt, das den Gewinn am kräftigsten antreibt. Jeder Dollar Umsatz, der mit den Windows-Lizenzen gemacht wird, schlägt sich mit 75 Cent beim operativen Gewinn nieder. Das Geld ermöglicht Microsoft hohe Investitionen in andere Bereiche, etwa für den digitalen Musikspielern iPod und Online-Dienste. Erst jüngst hatte Microsoft zudem das "iPhone" vorgestellt, ein Multimedia-Mobiltelefon. Im Gesamtjahr 2007/08 erwarten Branchenexperten einen Gesamt-Umsatz bei Microsoft von 56,4 Mrd. Dollar, etwa zwölf Prozent mehr als 2006/07. (APA/Reuters/dpa)

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