Im Kalk verankert

    16. Februar 2007, 17:00
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    Ohne Kalamitäten auf dem Höllenstein. Als Wanderer kann man dabei in aller Ruhe den Mutigen beim Klettern zusehen

    Bei Wanderungen im südlichen Wienerwald, dem Kalk-Wienerwald, trifft man mitunter auf merkwürdige Gestalten, die ein Kletterseil mit sich führen und an deren Gürtel Klemmkeile und Karabiner hängen. Das ruft einem in Erinnerung, dass die Gegend zwischen Gießhübl und Höllenstein, die Brühl oder die Felsen im Kaltenleutgebener Tal einst als „Kletterschulen“ sehr beliebt waren und noch heute viele Kraxler anziehen, die dort – nicht nur in der kalten Jahreszeit – ihr Training absolvieren.

    Die nicht sehr hohen Wände weisen Routen aller Schwierigkeitsgrade auf, auf denen sich früher selbst alpine Spitzenkönner in Form brachten. Sehr zum Missvergnügen der Obrigkeit, welche zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Kletterer „jagte“ und mit saftigen Strafen bedachte, weil man den Kalamitäten aus dem Wege gehen wollte, die nach einem Absturz den Behörden erwuchsen. Mittlerweile gibt es kaum Unfälle, von ein paar Beulen abgesehen, denn die geringe Höhe der Wände lässt eine Sicherung von oben zu, zudem sind die meisten Routen mit Bohr- und Klebehaken bestens gesichert.

    Für den Wanderer sind die Kletterer eine angenehme Abwechslung, er schaut ihnen gerne zu, in der Gewissheit, dass ihnen eigentlich nichts passieren kann. So auch bei einer Runde von Wassergspreng über die Seewiese und den Höllenstein, der richtigerweise Höhlenstein heißen müsste, weil an seinem Hang mehrere Höhlen liegen, darunter die bekannte Geoleshöhle, die – den archäologischen Funden zufolge – von der Steinzeit bis ins Mittelalter den Menschen in Notzeiten als Zufluchtsort diente.

    Auch wenn die Julienwarte derzeit gesperrt ist, bietet sich von der Terrasse des Höllenstein-Schutzhauses eine beeindruckende Sicht zum Schneeberg, ins Wechselgebiet und zu den niederösterreichischen Voralpen.

    Die Route: Vom Parkplatz Wassergspreng wandert man nach Osten und sehr bald auf der roten Markierung in den Schneerosengraben, passiert das Schneerosenbründl und erreicht über eine Forststraße die Seewiese und das dort stehende Gasthaus. Gehzeit ab Wassergspreng 1¼ Stunden.

    Weiter auf der roten Markierung, dann zweigt man nach links ab – ebenfalls rot markiert – und gelangt am Fuße der Gipfelfelsen des Höllensteins zum Höllenstein-Haus. Gehzeit ab Seewiese eine Dreiviertelstunde.

    Nun auf der Anstiegsroute zurück in den Sattel, dort hält man sich rechts und steigt durch einen Graben nach Wassergspreng – dem Ausgangspunkt der Wanderung – ab. Gehzeit ab Höllensteinhaus eine knappe Stunde. (Bernd Orfer/Der Standard/Printausgabe/17./18.2.2007)

    Gesamtgehzeit: 3 Stunden, Höhendifferenz rund 350m. Gasthof Seewiese und Höllenstein-Haus (Montag und Freitag Ruhetag). Bundesamtskarte 1:25.000 und 1:50.000, Blatt 58 (Baden); Freytag & Berndt Wienerwald Atlas, Maßstab 1:50.000.
    • Eine nette Abwechslung für Wanderer ist das Beobachten der Kletterer.
      foto: pixelquelle.de

      Eine nette Abwechslung für Wanderer ist das Beobachten der Kletterer.

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