AWD ist nicht auf Brautschau

7. März 2007, 14:25
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Der Finanzdienstleister will sein Wachstum in diesem Jahr ohne Zukäufe und Expansion in neue Märkte vorantreiben

Prag - Der Finanzdienstleister AWD will sein Wachstum in diesem Jahr ohne Zukäufe und Expansion in neue Märkte vorantreiben. Der hannoversche Konzern erhofft sich vor allem überdurchschnittliche Zuwächse im Osteuropa-Geschäft. Aber auch dort will er sich zunächst auf die bestehenden Märkte konzentrieren.

"Wir werden sicher auch über weitere Anrainerstaaten in Osteuropa nachdenken, die Betonung liegt aber auf langfristig", sagte AWD-Chef Carsten Maschmeyer am Freitag am Rande einer Veranstaltung in Prag. "Ganz langfristig" denke man auch an einen Markteintritt in den Wachstumsregionen China und Indien sowie in Russland.

Derzeit ist AWD in zehn Ländern präsent, neben dem Kernmarkt Deutschland in Großbritannien, Österreich, der Schweiz, Tschechien, der Slowakei, Polen, Kroatien, Ungarn und Rumänien. Mit seinen Expansionsplänen ist AWD nach dem Rückschlag in Italien, wo das defizitäre Geschäft im September aufgegeben wurde, offenbar zurückhaltend geworden. "Ich möchte nicht irgendwann in 15 Ländern vertreten sein und in dreien Verluste schreiben", sagte Maschmeyer.

"Wir sind auch nicht auf Brautschau", fügte er hinzu. Wenn es ein passendes Kaufobjekt gebe, werde man es sich anschauen. Im Moment konzentriert sich AWD auf den Ausbau des Geschäftes in Osteuropa. Dort hat der Konzern laut Finanzvorstand Ralf Brammer rund 80.000 Stammkunden. Das sind gemessen an den insgesamt 1,8 Millionen AWD-Kunden zwar sehr wenige. "Aber die Märkte entwickeln sich positiv, weil der Mittelstand wächst", sagte Brammer. Im vergangenen Jahr seien 27.000 neue Kunden hinzugekommen.

Tschechien ist die Perle

In Tschechien, Maschmeyer zufolge die Perle unter den osteuropäischen Standorten, steht AWD nach eigenen Angaben auf Platz vier - nach dem Kölner Konkurrenten OVB und zwei tschechischen Wettbewerbern. AWD mache in dem Land zehn Millionen Euro Umsatz, etwa halb so viel wie OVB. Zum Osteuropa-Umsatz trägt Tschechien die Hälfte bei. In drei bis vier Jahren werde Osteuropa zehn Prozent des gesamten AWD-Umsatzes ausmachen, sagte Maschmeyer voraus. Derzeit seien es zwei bis drei Prozent.

Die Hälfte des Konzernumsatzes liefert Deutschland. Er könne sich aber vorstellen, dass dieser Umsatzanteil langfristig bei nur noch bei 45 Prozent liege, sagte Finanzchef Brammer.

Erreichen will AWD das auch mit mehr Beratern, bis Ende kommenden Jahres sollen es 8.000 sein, 2.000 mehr als derzeit. Die ab Sommer geltende EU-Vermittlerrichtlinie, die eine Qualifizierung der Vermittler und ein Protokoll der Beratungsgespräche vorschreibt, könne hier von Nutzen sein, sagte Maschmeyer. Er erwarte eine Marktkonsolidierung, da viele kleinere Finanzdienstleister die neuen Bestimmungen nicht erfüllen würden. Dann will AWD zwar nicht die Firmen, aber die Berater übernehmen. Für AWD selbst seien die Schulungskosten zu vernachlässigen.

Auch die Mehrwertsteuererhöhung zum 1. Jänner hat AWD Maschmeyer zufolge noch nicht zu spüren bekommen. Diese schlage sich bisher nicht auf die Vertragsabschlüsse nieder. (APA/Reuters)

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