Wirtschaftskammer gegen Ausweitung auf 72 Wochenstunden

27. März 2007, 14:15
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Land NÖ und Kammer präsentierten "Nahversorgungs-Förderung neu"

Wien/St. Pölten - Josef Schirak, Obmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ), hat am Freitag am Rande eines Pressegesprächs in Wien sein Nein zu einer Ausweitung der Ladenöffnungszeiten auf 72 Stunden pro Woche unterstrichen. Er begründete dies damit, dass die Existenzgrundlage kleiner und mittlerer Nahversorger beschnitten würde. 66 Stunden seien genug.

Schirak wies darauf hin, dass es auch um "Nischen" für Nahversorger gehe. Das sei etwa mit dem "Frühstücks- und Jausengeschäft" der Fall. Greisler, aber auch Bäcker und Fleischhauer würden dafür schon um 5.00 Uhr aufsperren. Mit einer Ausweitung der Ladenöffnungszeiten, in denen Schirak übrigens "Umsatzverlagerungen, nicht -steigerungen" sieht, würden diese Nischen ebenfalls geöffnet. Damit wäre die Existenzgrundlage kleiner Betriebe in Gefahr.

"Wachküssen"

Genau diesen Unternehmen wollen das Land NÖ und die Kammer insbesondere mit der "Nahversorgungsförderung neu" unter die Arme greifen. Es sei das Ziel, bestehende Standorte zu erhalten, inzwischen geschlossene wieder "wach zu küssen" und eventuell auch neue Standorte zu ermöglichen, sagte Wirtschaftsreferent LHStv. Ernest Gabmann. Gleichzeitig meinte er, dass es nicht genügen werde, wenn das Land allein Aktivitäten setze. Auch die Gemeinden und die Bevölkerung müssten sich mit der Nahversorgung identifizieren. Schirak schlug in dieselbe Kerbe. Andernfalls sei selbst "der beste Nahversorger auf verlorenem Posten".

Die Zahl der Lebensmittel-Nahversorger in Niederösterreich hat sich laut Gabmann in der jüngeren Vergangenheit stabilisiert. Im vergangenen Jahr habe es 3.840 gegeben, 2000 seien es 3.910 gewesen. Einige Jahre zuvor sei die Situation "dramatischer" gewesen.

Kernpunkte der im März anlaufenden und zunächst für zwei Jahre vorgesehenen "Nahversorgungsförderung neu" sind die Verdoppelung des Barwertes der bestehenden Förderung für Lebensmittelhändler auf 18 Prozent und bei sonstigen Nahversorgern die Erhöhung um ein Drittel auf 15 Prozent. Bäcker und Fleischhauer gelten nicht mehr als "sonstige". Sie werden daher künftig wie Lebensmittel-Nahversorger unterstützt. Verbesserungen sind auch in der Betriebsmittelförderung vorgesehen. (APA)

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