Von Jugend und Reichtum - mit Video

16. März 2007, 10:01
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Unbestrittener Star des Opernballs 2007 war Anna Netrebko, die von "Pascha" aufs Parkett gebracht wurde

Der unbestrittene Star des Opernballs 2007 war Anna Netrebko: Wie sie zur Eröffnung als Massenets Manon in großer Robe Jugend und Schönheit besang - machte das für kurze Zeit jede weitere junge und reiche Blondheit im Opernhaus vergessen.
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Wien - Bitte schön, er hat sich entschuldigt: "Ich benehme mich nicht immer gut. Aber gegenüber Frau Elisabeth Gürtler benehme ich mich nicht schlechter und nicht besser", beteuerte Staatsoperndirektor Ioan Holender vor dem Opernball angesichts seines medial ausgebreiteten Zerwürfnisses mit der Ballorganisatorin. Und auch dem Tanz- und Benimmmeister Thomas Schäfer-Elmayer, den Holender im Radio-Interview "eine Art Lugner" genannt hatte, versicherte er, dass er seine Arbeit überaus schätze. Scherzen werde man noch dürfen, auch wenn "die Journalisten humorlos" seien: "Der Opernball ist ja kein Begräbnis."

Und nachdem Co-Zeremonienmeister Klaus Mühlsiegl dem Jungdamen- und Jungherrenkomitee noch einmal eingebläut hatte: "Sie tanzen, als wäre es ihr eigenes Begräbnis - smile!", konnte unbeschwert eröffnet werden.

Unbestrittener Star dieses Auftaktes: Anna Netrebko, die von "Pascha" aufs Parkett gebracht wurde. "Pascha" hieß das Pferd vor der Kutsche, Holender der "Kutscher". Wie die Netrebko dann als Manon sich in eine Diva verwandelte, um von Jugend und Reichtum zu singen: Zumindest da war die andere junge und reiche Blondheit vergessen. Man hätte glauben mögen, dass die Netrebko im Anschluss wie weiland die Monroe auch noch "Happy Birthday, Mister President" anstimmen könnte. In diesem Moment war die Netrebko bitte schön zweifellos die eindrucksvollste Erscheinung von Moskau bis Paris

Eröffnungs-Novitäten

Einige andere Neuerungen - neben dem Pferd - fielen nur den Eingeweihten auf: Etwa dass sich die Debütantinnen unter den Händen der Debütanten drehten; für den Sitz der grün besteinten Krönchen eine eher gewagte Figur. Neu auch die "kleine Shimmy-Bewegung", die sich Mühlsiegl ausgedacht hatte - ein Wiener Wäscher-Mädel-Wackler zur Johann-Strauß-Polka "Bitte schön". Eine weitere Eröffnungs-Novität: Der Kastagnetten-Klang während des Estudiantina-Walzers von Emil Waldteufel, zu dem das Staatsopernballett auftrat.

Immer wieder neu auszukosten: Der Auftritt der Prominenz auf der Feststiege. Bundespräsident Heinz Fischer und Ehefrau Margit sprachen von einem "Spießrutenlauf", der zu den anstrengenden Übungen des Ballbesuchs gehöre. Genossen hat das wahrscheinlich Paris Hilton, die sich danach in der Loge sichtlich fadisierte - ihr musste teils sogar die Polizei den Weg freimachen. Viele noble Herrschaften wollten ihr offenbar zumindest für einen Augenblick lang nahe kommen. Um dann sachkundig feststellen zu können, wie es ein Frackträger ausdrückte: "Viel hat die nicht".

Gedränge um den Bundeskanzler

Vergleichbares Gedränge beim ersten - strahlenden - Auftritt des neuen Bundeskanzlers im Festgewand,: "Das ist wie bei der Hilton" rief ein Fotograf. "Echt?", antwortete Alfred Gusenbauers Lebensgefährtin Eva Steiner scheinbar ungläubig.

Mit ihnen waren die Minister Claudia Schmied und Werner Faymann aus der roten Regierungshälfte gekommen. Gusenbauer zur Seite auch der slowenische Ministerpräsident Janez Janša, Burgtheater-Schauspielerin Birgit Minichmayr und der bulgarische Schriftsteller Dimitre Dinev. Die nahezu komplett angesagte ÖVP-Riege hatte schon weit gehend einschlägige Opernballerfahrung: Mit Vizekanzler Wilhelm Molterer und Außenministerin Ursula Plassnik wurden OSZE-Generalsekretär Marc Perrin und der slowakische Außenminister Ján Kubiš erwartet. Es kamen die Minister Andrea Kdolsky, Johannes Hahn, und Martin Bartenstein, sowie Staatssekretär Reinhold Lopatka. NÖ-Landeshauptmann Erwin Pröll kam wie stets in Begleitung von Ehefrau Sissi und Ex-ORF-Generalin Monika Linder

Wirtschaftskammer-Chef Christoph Leitl hatte den Opec-Präsidenten Mohamed Bin Dhaen al-Hamli eingeladen. Leitls Loge befand sich übrigens nur drei Türen neben der Medien-belagerten von Richard Lugner. Durchaus gut unterhalten hat sich dagegen FPÖ-Parteichef H.C. Strache.

Nur zwei Logen neben dem Baumeister residierte Magna-Boss Frank Stronach, auch er ein Stammgast. Blickte Stronach über den wogenden Ballsaal hinweg in den Rang genau gegenüber, gewahrte er den glühenden Austria-Fan, Bürgermeister Michael Häupl - jedoch gleich in der Loge daneben auch die Wiener Wirtschaftskammer-Präsidentin Brigitte Jank, die dieser Tage gegen sein Einkaufszentrums-Projekt neben dem geplanten neuen Austria-Stadion in Rothneusiedl heftigst protestiert hatte.

Schräg oberhalb von Stronach, genau über Leitl, logierte wiederum die Siemens-Generaldirektorin Brigitte Ederer - die ihrerseits freien Blick auf die Vöest-Loge vis a vis hatte.

Ob die 5000 Gäste nun nur reich oder auch schön waren: Die Kasse stimmte jedenfalls - für die Oper. Die Organisatoren rechneten damit, dass der Reingewinn des Vorjahres - nämlich 1,1 Millionen Euro - heuer locker überboten werde. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.2.2007)

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  • Pascha, das Pferd, Ioan Holender, der Direktor, und Anna Netrebko, die schöne Diva, prägten die bunte Eröffnung in der sonst grün gehaltenen Oper.
    foto: der standard/matthias cremer

    Pascha, das Pferd, Ioan Holender, der Direktor, und Anna Netrebko, die schöne Diva, prägten die bunte Eröffnung in der sonst grün gehaltenen Oper.

  • Trotz mancher Neuerungen, die Tradition überwiegt beim Opernball - dazu gehört das Eröffnungskomitee.
    foto: der standard/matthias cremer

    Trotz mancher Neuerungen, die Tradition überwiegt beim Opernball - dazu gehört das Eröffnungskomitee.

  • Südländische Klänge zur Balleröffnung - einen mediterranen Hitzestau erlebten prominente Besucher schon davor beim atemberaubenden Gang über die Feststiege.
    foto: der standard/matthias cremer

    Südländische Klänge zur Balleröffnung - einen mediterranen Hitzestau erlebten prominente Besucher schon davor beim atemberaubenden Gang über die Feststiege.

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    Bundespräsident Heinz Fischer lud sich kleine Gäste ein.

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