Unkoordiniert teuer

5. März 2007, 10:24
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Die Energiepolitik der EU bleibt mit großem Aufwand unkoordiniert und die Energie für die Konsumenten teuer - Von Michael Moravec

Können Sie sich noch an „MyElectric“, „Switch“ oder „Unsere Wasserkraft“ erinnern? 1999 war das, als die fragmentierte österreichische Stromwelt liberalisiert wurde und auch die Haushalte die Freiheit bekamen, sich ihren Stromlieferanten auszusuchen.

Wettbewerb auf österreichisch: Die bestehenden Stromkonzerne gründeten „Billigtöchter“, die den Markt besetzten und für kurze Zeit die Werbetrommeln rührten. Die wenigen internationalen Konzerne, die sich nach Österreich wagten, wurden mit hohen Leitungsbenutzungsgebühren schnell wieder vertrieben. Und dann verschwanden auch die Billigtöchter – die nur selten günstiger waren als ihre Mütter – wieder von der Bildfläche. Und heute, acht Jahre später, ist es für die Konsumenten und Gewerbebetriebe so, als hätte es nie eine Liberalisierung gegeben. Alternative Anbieter bewerben ihre Angebote nicht einmal mehr. Die Bemühungen der EU-Kommission, Netzgeschäft von der Energieerzeugung zu trennen, ist also aus diesem Blickwinkel sehr vernünftig: Ein reiner Netzbetreiber wird alle Energielieferanten gleich behandeln und damit Wettbewerb ermöglichen, wo er derzeit nur sehr gebremst stattfindet.

Doch die EU-Energieminister dafür zu kritisieren, dass sie das nun verhindert haben, ist zu einfach: Österreich hätte sich entscheiden müssen, Netz oder Kraftwerke zu verkaufen. An wen verkauft die Republik? Wie können sich die EU-Konzerne international behaupten, wenn sie solcherart ertragsgeschwächt gegen einen in Geld schwimmenden Riesen wie Gasprom antreten müssen? Was, wenn Gasprom Netze oder Kraftwerke aufkauft? Diese Fragen haben die Kommission nicht interessiert. Und so bleibt die Energiepolitik der EU mit großem Aufwand unkoordiniert und die Energie für die Konsumenten teuer. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.2.2007)

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