Kraftwerk stützt die Salzach

21. Februar 2007, 17:01
16 Postings

Selbst wenn das Salzburger Stadt-
flusskraftwerk nicht kommt: Maßnahmen zur Stabilisierung der Salzach sind nötig

Salzburg - Es sei ihm bewusst, dass das geplante Kraftwerk im dichtbesiedelten Norden der Landeshauptstadt an einem "sensiblen Standort" stehe, räumt der Vorstandsvorsitzende der Salzburg AG Arno Gasteiger ein. Sollte sich im wasserrechtlichen Verfahren herausstellen, dass es - wie von den Anrainern befürchtet - Probleme durch einen höheren Grundwasserspiegel oder beim Hochwasserschutz gebe, werde man kein Kraftwerk bauen, so der potentielle Bauherr am Donnerstag bei der Präsentation der ersten Architektenentwürfe.

Fluss wird tiefer

Was aus Anrainersicht auf den ersten Blick beruhigend klingen mag, ist es eigentlich nur zum Teil: An einer mehrjährigen Megabaustelle führe laut Planungsstadtrat Johann Padutsch (Bürgerliste) nämlich so oder so kein Weg vorbei. Die Salzach im Norden der Stadt sei dringend sanierungsbedürftig. Derzeit tieft sich der Fluss jährlich um drei bis vier Zentimeter ein. In naher Zukunft drohe die Flusssohle vollkommen durchzubrechen, die Uferböschungen würden bald folgen.

Die Stadt und die Salzburg AG verfolgen mit dem aufsehenerregenden Kraftwerks-projekt eine Doppelstrategie. Neben der Salzachsanierung, das Kraftwerk würde eine weitere Eintiefung verhindern, soll es auch einen "Mehrwert" (Padutsch) in Form von Energie geben. Bei einer Leistung von 14,2 Megawatt könnten von dem "Stützkraftwerk" über 80 Millionen Kilowattstunden erzeugt werden. Das entspricht immerhin dem Verbrauch von 23.000 Haushalten. Von den 65 Millionen Euro Gesamtinvestitionskosten will die Salzburg AG knapp ein Zehntel über die Ökostromförderung abdecken.

Zum Vergleich: Eine Flusssanierung ohne Kraftwerk würde laut Padutsch 40 oder mehr Millionen kosten. Und so ganz nebenbei würde das Kraftwerk auch die ökologische Situation verbessern, lobt Padutsch das Vorhaben: Im Rahmen des Baus der Wehranlage könnte der naheliegende Aubereich aufgewertet und als Naherholungsgebiet adaptiert werden. Überdies wäre eine Fischtreppe eingeplant. Derzeit stellt die alte Sohlstufe im Stadtteil Lehen für die Fische eine nicht zu überwindende Hürde dar.

Keine UVP nötig Bis das Stadtkraftwerk ans Netz geht - frühester Termin wäre bei einem Baubeginn heuer das Jahr 2010 - wird freilich noch einiges Wasser die Salzach hinunterrinnen. Als nächster Schritt muss das wasserrechtliche Verfahren positiv abgeschlossen werden. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung sei übrigens bei einer Leistung von "nur" 14,2 Megawatt im Gesetz nicht vorgesehen, eine freiwillige Prüfung laut Gasteiger auch nicht möglich. Parallel zum Wasserrechtsverfahren werden in den kommenden Wochen zwei von einer Jury als verfolgenswert beurteilte Architektenentwürfe überarbeitet. Beide Pläne sehen vor, dass mit dem Kraftwerk ein zusätzlicher Flussübergang für Fußgänger und Radfahrer entsteht. (Thomas Neuhold, DER STANDARD print, 16.2.2007)

  • So könnte jenes Kraftwerk aussehen, das die Eintiefung der Salzach in Salzburg verhindern soll
    foto: stadt salzburg

    So könnte jenes Kraftwerk aussehen, das die Eintiefung der Salzach in Salzburg verhindern soll

Share if you care.