"Die Hollywood-Verschwörung": Gefangen in der Gerüchteküche

15. Februar 2007, 18:38
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Tod eines populären Superman-Darstellers: Ein Kino-Detektiv untersucht "Die Hollywood- Verschwörung"

Wien - Kaugummis sind ein schlechter Zigarettenersatz. Jedes Mal, wenn der Privatdetektiv Louis Simo (Adrien Brody) wieder einmal am liebsten tief inhalieren würde, muss er sich stattdessen einen Klebestreifen in den Mund schieben. Dabei hätte er allen Grund zum Rauchen: Der Fernsehschauspieler George Reeves (Ben Affleck), populärer Superman-Darsteller und Liebling der Frauen und Kinder, ist in der Nacht des 16. Juni 1959 ums Leben gekommen. Die Umstände - Tod im Schlafzimmer durch Kopfschuss - sind höchst mysteriös: Die Polizei glaubt offiziell an Selbstmord und möchte die Akte schließen, doch Reeves' Mutter hat berechtigte Zweifel - und schickt Simo auf eine investigative Reise durch einen gefürchteten Sumpf namens Hollywood.

Wenn die Filmmetropole über sich selbst zu erzählen beginnt, war das schon immer eine eigentümliche Angelegenheit. Nabelschau, Selbstreflexion und Beweihräucherung sind da die entsprechenden Konnotationen, die spätestens seit Billy Wilders "Sunset Boulevard" regelmäßig auftauchen und zuletzt etwa bei Brian De Palmas "The Black Dahlia" in aller Munde waren.

Gerade so, als ob das Spiel hinter der Leinwand weitergehen müsse, ist der falsche Schein in diesen Filmen längst zum Topos geronnen, schlagen sich oft private, zumeist jedoch korrupte Detektive mit Hintermännern, Starlets und dem eigenen Tabakkonsum herum.

Louis Simo ist da keine Ausnahme: Mit schlaksiger Gestalt taucht er mit Sicherheit dort auf, wo er gerade am wenigsten erwünscht ist, legt sich mit einem mächtigen, in den Fall Reeves verwickelten Studioboss (Bob Hoskins) an und streitet obendrein im Privatleben mit der eigenen Frau, die ihm längst den Laufpass gegeben hat. Diese stereotype Zeichnung kommt Regisseur Allen Coulter, bisher ausschließlich mit diversen Fernseharbeiten beschäftigt, sehr entgegen: Selten sind Erwartungshaltungen so einfach zu erfüllen.

Anschuldigungen

Das eigentlich Interessante an "Die Hollywood-Verschwörung" ("Hollywoodland") sind also weniger seine Erzählstruktur und die Aufklärung von Reeves' mysteriösem Tod, der in verschiedenen Varianten und Rückblenden vor den geistigen Auge Simos durchgespielt wird, oder seine deutlich dem Film noir entlehnte Ästhetik, sondern die Art, wie hier eine wahre Begebenheit - ähnlich dem Mord an der "Schwarzen Dahlie" in der legendären James-Ellroy-Vorlage - einmal mehr selbst zur Fiktion wird. Seit Jahrzehnten wird stellvertretend für den Zuseher in einer Film-Welt aus echten Gerüchten und falschen Anschuldigungen ermittelt, um diese eben nicht aufzuklären, sondern zu erhärten - und die Legendenbildung und unser Interesse dafür umso stärker voranzutreiben.

Für die verschiedenen Wege, die zum Tod Reeves' hätten führen können, interessiert sich Coulter jedoch nicht in gleichem Ausmaß: Es ist im Laufe des Films vor allem die Möglichkeit des Selbstmords, die hier zur größten Wahrscheinlichkeit wird, erzählt sie doch vom Faszinosum des großen persönlichen Scheiterns gerade an einem Ort, an dem angeblich alles möglich ist.

Einmal wird Reeves im Superman-Kostüm von einem kleinen Jungen mit einer Pistole bedroht, der die Unverwundbarkeit seines Helden auf die Probe stellen möchte. Tatsächlich hätte Reeves' Ende auch so aussehen können, wie er ums Leben gekommen ist, das spielt letztlich überhaupt keine Rolle. Doch die These, dass ihn sein unerfüllbarer Wunsch nach einer Charakterrolle besiegt habe, wird durch die Darstellung Ben Afflecks wenig plausibel: Gerade dieser fühlt sich vermutlich in einem Superman-Kostüm pudelwohl. (Michael Pekler / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.2.2007)

  • Louis Simo (Adrien Brody) untersucht den mysteriösen Tod des Superman-Darstellers George Reeves.
    foto: buena vista

    Louis Simo (Adrien Brody) untersucht den mysteriösen Tod des Superman-Darstellers George Reeves.

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