Ausbau von Kindergärten sorgt in der Union für Familienkrach

9. März 2007, 20:43
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Deutschland: Parteimänner kritisieren Familienministerin Ursula von der Leyen

"Die Ministerin schießt eindeutig über das Ziel hinaus. Wir als Union müssen darauf achten, dass wir uns nicht nur auf die berufstätige Frau konzentrieren. Bei uns müssen sich auch die Eltern wiederfinden, die sich bewusst für die Kindererziehung entscheiden." Diese mahnenden Worte hat CSU-Generalsekretär Markus Söder am Donnerstag gen Berlin geschickt und dabei auch so manchem CDU-Mann aus der Seele gesprochen. Denn in der Union herrscht wieder einmal Unruhe wegen Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU).

Sie setzt sich für einen massiven Ausbau von Kindergärten ein. Eine halbe Million neuer Plätze müssen geschaffen werden, sagt von der Leyen, bis 2013 sollen 35 Prozent der Kinder unter drei Jahren in Kindergärten oder bei Tagesmüttern untergebracht werden. Kostenpunkt ihres Vorhabens: drei Milliarden Euro jährlich.

Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel hat von der Leyen im Parteipräsidium bereits Rückendeckung gegeben, auch der Koalitionspartner SPD signalisierte schon Zustimmung. Doch einige Männer sind mit diesem Plan überhaupt nicht einverstanden und warnen vor einer Abkehr vom traditionellen Familienbild. "In der jetzigen Diskussion entsteht manchmal der Eindruck, die Union wolle nur noch ein Familienmodell fördern - das der erwerbstätigen Frau. Das halte ich für falsch", sagt Fraktionschef Volker Kauder (CDU). Man müsse aufpassen, dass Eltern, die ihre Kinder zu Hause betreuen, "nicht als altmodisch verschrien werden". Auch Alois Glück (CSU), Landtagspräsident in Bayern, ist besorgt: "Familienpolitik darf keine Unterabteilung der Arbeitsmarktpolitik sein."

Seehofers familiäre Not

Apropos Bayern, a propos Familie: Die Aufregung um das Privatleben von Bundesverbraucherminister Horst Seehofer, der CSU-Chef werden möchte, dauert an. Nun moniert der konservative Kölner Kardinal Joachim Meisner, dass jemand mit Ehefrau und drei Kindern in Ingolstadt sowie einer schwangeren Freundin in Berlin nicht CSU-Chef werden könne. "Wie weit sind wir eigentlich gekommen?", fragt Meisner. Und die Bunte hat Seehofers erste Ehefrau interviewt, die wenig Nettes über ihn sagt: "Der Horst war nie sonderlich ehrlich." (DER STANDARD, Printausgabe 16.02.2007)

Birgit Baumann aus Berlin

Zum Kommentar: Die unheimliche Mutter
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