Wechselbad für Textiler

7. März 2007, 14:25
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Die Zukunft der Mitarbeiter der Vorarlberger Textilfabrik Wolff ist noch ungewiss

Bregenz – Die Konjunkturumfrage der Wirtschaftskammer vom Dezember hatte – nach Jahren der verhaltenen oder pessimistischen Prognosen – eine erfreulich gute Stimmung in der Textilindustrie ergeben: Volle Auftragsbücher für das kommende halbe Jahr, die Branche ist guten Mutes.

In diese Schönwetterphase platzte Ende Jänner die Insolvenz der Harder Wirkwarenfabrik Gebrüder Wolff. Der Hauptkunde Marks & Spencer drückte die Preise, Martin Wolff meldete Konkurs an. Dem britischen Konzern war man auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, Textilien für M & S machten über 80 Prozent des Produktionsvolumens aus.

Käuferin für Maschinen und Warenbestände

Wolff fand für Maschinen und Warenbestände in der Huber Holding eine Käuferin. Ob die neue Huber-Tochter Lupus Textilveredelung die Wolff-Mitarbeiter – Wolff bezifferte sie mit 326 in Vorarlberg, Helmut Schrenk, Geschäftsführer von Huber Tricot und Lupus, spricht von 220 – weiter beschäftigen wird, hängt wiederum von Marks & Spencer ab. M & S sei im Wort, Definitives könne man erst am Montag mitteilen, so Schrenk. Die Wolff-Nähereien in Ungarn und der Slowakei mit 235 Beschäftigten wurden von Huber „noch nicht durchleuchtet“. Die Nähmaschinen habe man gekauft, über das Schicksal der Näherinnen wurde noch nicht beraten. Die Huber Gruppe zählt zu den Vorarlberger Traditionsbetrieben, ist aber zur Hälfte im Besitz der australisch-chinesischen Benger Brands Ltd.

55 Prozent Ungelernte

Die Vorarlberger Textilindustrie zählt 54 Betriebe mit 4.400 Mitarbeitern, fast 55 Prozent sind ungelernte Kräfte. Die Textil- und Bekleidungsindustrie erwirtschaftet 15,3 Prozent der Vorarlberger Sachgüterproduktion, rund ein Drittel der österreichischen Textilproduktion kommt aus Vorarlberg. (Jutta Berger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.2.2007)

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