Rewe-Adeg-Deal: Spar wirft Kartellwächtern Ball erneut zu

7. März 2007, 14:20
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Adeg lässt künftig 70 Prozent des Einkaufs vom Rewe-Konzern abwickeln – und Rewe bittet die ersten Lieferanten an ihren Tisch

Wien – Die Ankündigung von Adeg-Chef Andreas Poschner, bis Jahresende 70 Prozent des Einkaufs über Rewe abzuwickeln, stößt der Lebensmittelbranche bitter auf. Adeg begebe sich somit vollständig in die Abhängigkeit der Rewe, werde selbst nicht mehr mit der Industrie verhandeln. Und erste Lieferanten passten in einem vorauseilenden Gehorsam bereits ihre Preise nach unten an, sagen Marktbeobachter.

"Wir habe das vor Wochen vorhergesagt, jetzt hat es Adeg offiziell zugegeben", sagt Gerhard Drexel, Spar-Chef, dem Standard. Rewe habe damit in der Beschaffung klar marktbeherrschende Stellung, er sieht den Ball daher erneut bei Kartellwächter Walter Barfuß. Wie sich jetzt herauskristallisiert, hatten sich auch Spar und ZEV Markant um die 24,9 Prozent der Adeg-Anteile bemüht. Poschner weist scharf zurück, dass es Scheingespräche mit beiden gegeben hätte, während der Deal bereits so gut wie fix war. Der Eindruck von Scheingesprächen könnte stimmen, sagt hingegen Drexel. Spar hätte um Adeg gern mitgeboten, sie sei aber daran nicht interessiert gewesen.

Höhere Verluste

Adeg hat höhere Verluste erzielt, als in den vergangenen Monaten kolportiert. Die Bilanz 2005 weist dem Konzern ein negatives EGT von 20,373 Mio. und einen Jahresverlust von 19,964 Mio. Euro aus. Poschner rechnet für 2006 mit geringeren Verlusten, Firmenkenner gehen aber von einem Minus in zweistelliger Millionenhöhe aus. Poschners Plan, heuer ausgeglichen zu bilanzieren, sei äußerst ehrgeizig.

Erwin Wichtl, Chef von ZEV und Nah&Frisch, bemüht sich, selbstständige Kaufleute unter sein Dach zu holen. "2006 sind neun Kaufleute von Adeg zu uns gewechselt, kein einziger umgekehrt." Spar sieht die Bewegungsfreiheit der Kaufleute hingegen eingeschränkt. Was die Industrie betrifft, so hat Rewe die ersten Adeg-Lieferanten bereits an ihren Tisch gebeten. Kärntner Milch etwa, sie beliefert Adeg mit konventionellen und Bio-Produkten, verhandelt kommende Woche über ihre Zukunft im Konzern. "Die Konzentration im Handel steigt, aber das gilt für ganz Europa", so Kärntner Milch-Chef Albert Petschar. Er sei zuversichtlich, mit Kärntner Milch im Sortiment zu bleiben. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.2.2007)

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    Adeg begibt sich vollständig in die Abhängigkeit der Rewe, sagen Lieferanten. Adeg selbst sieht das anders.

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