Die verdrängte Alternative zur Koralmbahn

26. Juni 2007, 19:28
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Südlich der Koralm existiert seit Jahrzehnten mit der "Drautalbahn" von Maribor nach Klagenfurt eine Alternative zur geplanten Koralmbahn

Graz/Maribor/Klagenfurt – Die Drautalbahn: Sie verkehrt regelmäßig zwischen Klagenfurt und Maribor (Marburg) – mit Umsteigemöglichkeit nach Graz. Es gibt sie also, diese Alternativtrasse zur Koralmbahn. Dieses Relikt der alten Südbahn wurde aber völlig aus der öffentlichen Debatte genommen. Verkehrsexperten wie Hermann Knoflacher wollen diese Trasse, über die der Standard bereits im Dezember berichtete, jetzt massiv ins Gespräch bringen. Ungeachtet des neuerlichen Paktes der Vorwoche zwischen Bund und Land Steiermark zum Bau der 6,5 Mrd. Euro teuren Koralmbahn. Bereits vor einigen Jahren hatte ein ÖVP-Politiker in Kärnten diese Trasse im Süden der Koralm angeregt. "Mehr hat’s net gebraucht, sagt er heute. "Ich bin verdonnert worden, ob ich spinn’, mit den Slowenen etwas zu machen, das Geld nach Slowenien zu tragen." Alte Kärntner politische Ressentiments hätten ein Weiterdenken verhindert. Im Prinzip bräuchte in die bestehende Trasse nur ein zweites Gleis eingebaut und die kurvige Strecke durch kleinere Tunnel und Brücken für eine Hochleistungsnutzung begradigt werden. Das zu einem Drittel der Koralmkosten.

Kurz in Erwägung gezogen

Die Strecke zwischen Maribor und Klagenfurt entlang der Drau ist in den Vorplanungen für die Koralmbahn sogar kurz in Erwägung gezogen worden. Als eine von zehn Trassenvarianten. Vonseiten der ÖBB hieß es am Donnerstag, diese Trasse sei ausgeschieden worden, weil die Strecke um 40 bis 50 Kilometer länger sei, dadurch eine längere Fahrzeit benötige und das Drautal stark mäandere, sodass etliche "Kunstbauten, Brücken und Tunnels" notwendig wären. "Ein Wahnsinn, eigentlich unfassbar, diese Trasse auszuscheiden", sagt Verkehrsexperte Hermann Knoflacher. Er selbst habe sie vor 20 Jahren mit slowenischen Experten intensiv erörtert. Knoflacher zum Standard: "Ich bin aber in Österreich nur angeeckt. Diese Trasse wird bewusst verdrängt und nicht zur Debatte gestellt. Weil es da zu wenig zu bauen gibt und es dafür keine Lobby gibt", spekuliert der Vorstand des Institutes für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik an der Technischen Universität Wien.

Seit der Monarchie

Die Strecke über Maribor, Bleiburg nach Klagenfurt existiert seit der Monarchie. Ihr heutiger „Nachteil“: Sie verläuft eben auch durch slowenisches Staatsgebiet. "Wäre es Deutschland, gebe es die Trasse längst", kritisiert Knoflacher, der in diesen Tagen eine Drautal-Initiative starten will. Diese Bahnverbindung durch Slowenien hätte für Knoflacher verkehrstechnisch einen zweifachem Nutzen, den eine Koralmbahn nie leisten könne. Sie verbindet drei Wirtschaftsräume mit beachtlichen Einzugsgebieten: den Grazer Raum, Maribor und Klagenfurt. Zudem hätten die Steirer auch eine Anbindung zum Europa-Korridor V, der an Maribor vorbei zur Adria führt. Der "Nebenaspekt": Diese Südtrasse koste "nicht einmal ein Drittel" der Koralmbahn, wobei Slowenien und die EU mitzahlen könnten. Koralmbahn. Diese Trasse war politisch nicht opportun. Experten starten nun eine Initiative. (Walter Müller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.2.2007)

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    foto: standard
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