Angriff auf Weinbautradition

11. Juli 2007, 15:43
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Im Europaparlament gibt es massiven Widerstand gegen die geplante EU-Weinreform. Die Zerstörung von rund 400.000 Hektar Rebflächen sei falscher Weg zur Reduktion der Überproduktion

Montpellier - Die von der EU-Kommission geplante Reform der europäischen Weinwirtschaft stößt im Europaparlament auf heftigen Widerstand. Die vorgeschlagene Zerstörung von rund 400.000 Hektar Rebflächen sei ein "Angriff auf die europäische Weinbautradition" und der falsche Weg zur Reduzierung der Überproduktion, warnte das Parlament am Donnerstag in einer Entschließung.

Die EU-Staaten und Regionen sollten "flexible Höchstgrenzen für Rodungen" festlegen und dabei auch die Weinkategorien auswählen können.

Auf Kritik in der EU-Volksvertretung stößt zudem das von der EU-Kommission bis 2013 geplante Verbot für die Anpflanzung neuer Rebstöcke. Stattdessen verlangen die Abgeordneten eine "behutsame" Erteilung von Neuanpflanzungsrechten, wobei junge Winzer und Anbauer von Qualitätsweinen bevorzugt werden sollen. Auch striktere Vorschriften zur Anreicherung - etwa mit Zucker oder Mostkonzentrat - will das Parlament nicht hinnehmen. Dies wäre eine Diskriminierung von Anbaugebieten mit ungünstigen klimatischen Bedingungen, heißt es in der Entschließung.

Besserer Schutz von Herkunftsbezeichnungen gefordert

Das Europaparlament forderte zugleich Maßnahmen zum besseren Schutz von geographischen Herkunftsbezeichnungen. Dafür solle sich die Kommission im Rahmen der Welthandelsorganisation WTO einsetzen. Ziel müsse es sein, Drittländer daran zu hindern, missbräuchlich europäische Herkunftsbezeichnungen - wie Chianti oder Bordeaux - zu verwenden.

Die dänische Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel wies die Kritik zurück. Die Rodung von Rebflächen gebe Winzern, deren Produkte nicht wettbewerbsfähig seien, die Möglichkeit zu einem "würdigen Rückzug" mit Rodungsprämien. Die EU-Kommission will im Juni konkrete Vorschläge für die Weinreform vorlegen. Sie rechtfertigt dies mit der sinkenden Nachfrage nach Tafelweinen und der wachsenden Konkurrenz von Importweinen aus Drittländern, die in der EU zu erheblichen Produktionsüberschüssen führen. Widerstand gegen die Reformpläne gibt es auch im Ministerrat. So hat Frankreich, Europas größter Weinproduzent, bereits angekündigt, es werde sich gegen einige "inakzeptable Vorschläge" zur Wehr setzen. (APA/AFP)

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