Botschafter: Tauschen nicht Atomprogramm gegen Öl

2. März 2007, 15:03
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Kim spricht von "Anfangseinigung" in Peking - Bundespräsident Fischer sei in Nordkorea willkommen - "Wir wollen uns öffnen"

Wien - Der Botschafter Nordkoreas in Österreich verwahrt sich gegen die Darstellung, sein Land tausche sein Atomprogramm gleichsam gegen Wirtschaftshilfe und Schweröl aus dem Ausland. "Das ist falsch", sagte Kim Gwang Sop am Mittwochabend am Rande eines Empfangs in der nordkoreanischen Botschaft in Wien. Die bei den Sechser-Gesprächen in Peking am Dienstag erzielte Übereinkunft zum Atomprogramm nannte der Diplomat eine "Anfangseinigung".

Kim meinte es gehe bei dem Konflikt darum, dass die USA ihre feindselige Haltung gegenüber Nordkorea aufgeben und ihre Sanktionen gegen den stalinistischen Staat aufheben. Der Botschafter übte diesbezüglich Kritik an der US-Regierung unter Präsident George W. Bush und dessen Lokalisierung Nordkoreas auf der "Achse des Bösen". Zugleich zeigte er sich optimistisch, dass es weitere Fortschritte im Rahmen der Sechs-Parteien-Gespräche unter Beteiligung der USA, Chinas, Japans, Russlands, Südkoreas sowie seines Landes geben werde. Er strich hervor, dass die bilateralen Konsultationen zwischen Washington und Pjöngjang in Berlin vor dem Durchbruch in Peking von großer Bedeutung gewesen seien.

Kim Gwang Sop erklärte, die De-Nuklearisierung sei das Ziel des "ewigen Präsident" Kim Il Sung, des 1994 verstorbenen Vaters des heutigen Führers Kim Jong Il, gewesen. Dies wolle man weiterverfolgen. Den Atomtest Nordkoreas im Oktober verteidigte er: Sein Land sei dazu "gezwungen" worden, um den Ernst des Konflikts aufzuzeigen.

"Wir wollen unser äußeres Umfeld selbst gestalten", sagte Botschafter Kim. Sobald das "Sicherheitsproblem" gelöst sei, wolle sich sein Land auch Auslandsinvestitionen öffnen. "Wir wollen uns öffnen." Der Diplomat verwies auf jüngste Reformen in dem abgeschotteten, kommunistischen Land. Demnach wurden Bauernmärkte eingeführt, wofür Bauern eigens dafür vorgesehenes Land bewirtschaften könnten.

Fischer-Besuch

Angesprochen auf einen geplanten Besuch von Heinz Fischer in Südkorea, sagte Kim, der Bundespräsident sei auch in Nordkorea willkommen. Es gebe Einladungen aus seinem Land an Fischer. Der Sprecher des Bundespräsidenten, Bruno Aigner, bestätigte der APA auf Anfrage die Südkorea-Reise vom 31. März bis 4. April. Dabei sei unter anderem auch eine Fahrt an die Grenze (militärische Demarkationslinie am 38. Breitengrad) zwischen den beiden koreanischen Staaten geplant. Aigner erklärte, es habe Einladungen zu einem Besuch in Nordkorea an Fischer gegeben, als dieser noch Nationalratspräsident war. "Dem Bundespräsidenten Heinz Fischer liegt keine Einladung aus Nordkorea vor."

Die Vereinbarung von Peking sieht vor, dass Nordkorea zunächst innerhalb von 60 Tagen seine wichtigsten Atomanlagen in Yongbyon schließen muss. IAEO-Inspektoren sollen dies kontrollieren. Im Gegenzug für diese ersten Schritte erhält Nordkorea Energie, Nahrungsmittel und andere Hilfen im Gegenwert von 50.000 Tonnen Schweröl. Wenn Pjöngjang seine nuklearen Aktivitäten vollständig und nachprüfbar einstellt, erhält das Regime weitere Hilfen im Wert von 950.000 Tonnen Schweröl. Die Lieferung von einer Million Tonnen Öl hat einen Wert von gegenwärtig 300 Millionen Dollar (232 Mio. Euro).

Der Empfang in der Botschaft fand anlässlich des Geburtstages von Machthaber Kim Jong Il statt. Der Generalsekretär der Partei der Arbeit Koreas, Vorsitzender des Verteidigungskomitees und Oberbefehlshaber der Volksarmee wird am morgigen Freitag (16. Februar) 65 Jahre alt.(APA)

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