Infineon ernennt neuen Finanzvorstand

16. März 2007, 13:29
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Chiphersteller kündigt Wachstum von zehn Prozent an und will sich auf profitablere Bereiche konzentrieren, Aktionäre verweigern Ex-Vorstand Zitzewitz Entlastung

München - Der deutsche Chiphersteller Infineon, der auch über ein Werk in Villach (Kärnten) verfügt, will wachsen und so in die Gewinnzone zurückkehren. "Für das laufende Geschäftsjahr werden wir alles tun, um eine ausgeglichenes Ergebnis zu erreichen", erklärte Infineon-Chef Wolfgang Ziebart am Donnerstag auf der Hauptversammlung des Konzerns in München.

Ziebart kündigte an, Infineon wolle jährlich mindestens um zehn Prozent wachsen und eine Ebit-Marge von ebenfalls mindestens zehn Prozent erzielen. "Im nächsten Geschäftsjahr sollten wir dann halbe Strecke zu diesem Ziel zurückgelegt haben. Und im darauf folgenden Jahr sollten wir unserem Ziel dann schon nahe gekommen sein", sagte der Infineon-Chef.

Sanierungsschritte

Der Konzern habe seine Sanierungsmaßnahmen konsequent vorangetrieben und damit auf seinem Weg zu profitablem Wachstum deutliche Fortschritte gemacht. Ziebart kündigte auch Einsparungen in der Verwaltung in Höhe von 50 Mio. Euro an. Er erklärte, spätestens im vierten Quartal des laufenden Geschäftsjahres sollten alle Geschäftsfelder die Gewinnzone erreichen. Nur für die Mobilfunksparte erwarte man "den Break-Even" erst Ende 2007.

Ausgliederung von Qimoda

Ziebart kündigte an, Infineon wolle sich nun verstärkt auf das profitablere Geschäft etwa mit Halbleitern für Motoren, elektrische Geräte und Sicherheitschips konzentrieren. Mit der Ausgliederung der krisenanfälligen Speicherchip-Sparte in das eigenständige Unternehmen Qimonda zeigte der Konzernchef sich zufrieden. Er kündigte an, Infineon wolle seine Anteile an Qimonda mittelfristig verringern. Dies hänge unter anderem von der Entwicklung des Speichermarktes ab.

Der Chiphersteller hatte nach zwei Jahren in der Verlustzone im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres erstmals wieder einen Überschuss von 120 Mio. Euro erwirtschaftet.

Mit Beginn der Hauptversammlung gab Infineon auch einen Personalwechsel im Vorstand bekannt. Rüdiger Andreas Günther wird ab 1. Mai die Nachfolge von Peter Fischl als Finanzvorstand antreten, der in den Ruhestand geht. Günther war bisher Sprecher der Geschäftsführung beim Landmaschinenhersteller Class.

Aktionäre verweigern Ex-Vorstand Zitzewitz Entlastung

Die Aktionäre des Halbleiterkonzerns haben dem ehemaligen Vorstand Andreas von Zitzewitz die Entlastung für das Geschäftsjahr 2004/05 verweigert. Die Unternehmensspitze hatte im vergangenen Jahr die Entlastung des früheren Managers vertagt, nachdem die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen ihn wegen des Verdachts der Bestechlichkeit eingeleitet hatte.

Der Hauptversammlung am Donnerstag hatten Vorstand und Aufsichtsrat empfohlen, Zitzewitz nicht zu entlasten. Im Sommer hatte Zitzewitz vor Gericht eingeräumt, mehr als 70.000 Euro Schmiergeld von einem Werbevermittler angenommen zu haben. Die Staatsanwaltschaft München stellte später einen Strafbefehl über ein Jahr Haft auf Bewährung und 100.000 Euro Geldbuße gegen ihn aus. Infineon hat angekündigt, noch zivilrechtlich gegen Zitzewitz vorzugehen.

In dem Strafprozess gegen den Werbevermittler belastete der Angeklagte auch Ex-Konzernchef Ulrich Schumacher schwer und sagte aus, auch der frühere Vorstandschef habe große Mengen Schmiergeld von ihm angenommen. Schumacher bestreitet die Vorwürfe. Infineon und er streiten sich noch vor Gericht über mehr als fünf Millionen Euro Abfindung, die das Unternehmen zur Hälfte einbehalten hat. Die erste, bereits gezahlte Tranche fordert der Chiphersteller zurück. (APA)

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