Als Patient im "Grauen Haus"

19. Februar 2007, 12:57
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Helmut Elsners der­zeitige Unterkunft, die Justizanstalt Josefstadt in Wien, ist das größte Gefängnis Österreichs und das vollste - mit eigener Krankenabteilung

Zweimal pro Woche jeweils 15 Minuten - seine Besuche von draußen muss sich Bawag-Ex-Chef Helmut Elsner nun genau einteilen. Für den prominenten Untersuchungshäftling macht die Justizanstalt Josefstadt im achten Wiener Gemeindebezirk keine Ausnahmen. Sonntags sind Besuche generell verboten.

Elsner ist in einem Zweibettzimmer der Sonderkrankenabteilung untergebracht. Insgesamt stehen dort 76 Betten für Patienten des "Grauen Hauses" bereit. Diesen Namen hat der Justizkomplex, zu dem auch das Wiener Landesgericht für Strafsachen gehört, bereits seit 160 Jahren. Zur Zeit des damaligen Kaisers Ferdinand I. trugen die Häftlinge nämlich graue Anstaltskleidung.

Die geschichtsträchtige Justizanstalt ist die größte Österreichs - und auch die vollste. Mit derzeit rund 1200 Insassen ist die offizielle Belagsfähigkeit von 921 Haftplätzen weit überschritten. Die prekäre Situation wurde nicht zuletzt durch die Auflassung des Jugendgerichtshofes ausgelöst. In der Josefstadt sitzen nicht nur U-Häftlinge, sondern auch Strafhäftlinge ein, Männer und Frauen. Der geplante (und umstrittene) Bau eines zweiten Wiener Landesgerichts soll Abhilfe schaffen.

In der vierstöckigen Krankenabteilung arbeiten 30 Ärzte sowie ebenso viele Krankenschwestern und Pfleger. Operationen werden aber nicht durchgeführt.

Das Spital verfügt auch über eine eigene Psychiatrie. Vor allem auf dieser Station würden immer mehr Patienten aufgenommen, erklärt der stellvertretende Anstaltsleiter Josef Gramm im Gespräch mit dem Standard.

Lungenkranke Häftlinge können in der Außenstelle Wilhelmshöhe behandelt werden, ärztliche Betreuung ist außerdem in einer geschlossenen Abteilung im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien-Leopoldstadt möglich. Elsner steht es offen, für seine Behandlung ein anderes Spital zu beantragen. Im Falle einer Genehmigung durch den Chefarzt muss er aber Justizwachebeamte auf dem Gang vor seinem Zimmer in Kauf nehmen.

Für Helmut Elsner gilt nach wie vor die Unschuldsvermutung. Auch die Tatsache, dass Richterin Gerda Krausam U-Haft verhängt hat, ändert daran nichts. Ein derartiger Schritt muss immer von der Staatsanwaltschaft beantragt werden, folgende Kriterien sind zu berücksichtigen:

Es muss eine hohe Wahrscheinlichkeit bestehen, dass der Beschuldigte der Täter ist, die U-Haft muss immer als letztes Mittel angewendet werden, das Verhältnis zu einem voraussichtlichen Urteil muss angemessen sein, und es muss mindestens einer von folgenden Haftgründen zutreffen: Fluchtgefahr (wie im Fall Elsner), Verdunkelungsgefahr, Tatbegehungsgefahr (auch Wiederholungsgefahr genannt) oder Tatausführungsgefahr. Letzteres trifft zu, wenn zu befürchten ist, dass eine zunächst nur versuchte oder angedrohte Tat vollendet wird. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.2.2007)

  • Justizanstalt Josefstadt: Im Inneren ist das "Graue Haus" grün. Helmut Elsner befindet sich in der Krankenabteilung.
    foto: standard/heribert corn

    Justizanstalt Josefstadt: Im Inneren ist das "Graue Haus" grün. Helmut Elsner befindet sich in der Krankenabteilung.

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