Leseschwäche nimmt in EU deutlich zu

13. Februar 2008, 13:24
83 Postings

Bereits jeder fünfte 15-Jährige in der Union hat größere Probleme, eine Zeitung oder ein Buch zu lesen - mit Infografik

Die EU-Staaten schaffen es nicht, die Lesefähigkeiten ihrer Schüler zu verbessern. Im Gegenteil: Rund 20 Prozent der 15-jährigen Schüler oder Lehrlinge gelten bereits als leseschwach und haben nach dieser Definition zumindest größere Probleme, eine Tageszeitung oder ein einfacheres Buch zu lesen. Vor zehn Jahren waren es nur 13 Prozent. Diese Zahlen gehen auf eine Untersuchung der EU-Kommission hervor, die auf Zahlen aus 2003 und 2004 basieren. Experten zufolge bestätigen jüngste Untersuchungen aber den Trend. Insgesamt hat die Kommission im Rahmen des Lissabon-Prozesses für die Stärkung des Wirtschaftsraumes auch fünf Bildungsziele für die Union definiert:
  • Von 2000 bis 2010 soll die Anzahl der Universitätsabsolventen um 15 Prozent steigen.
  • Die Zahl der frühzeitigen Schulabgänger, die nach der Schulpflicht keine weitere Ausbildung anstreben, soll auf maximal zehn Prozent begrenzt werden.
  • Die Anzahl der Menschen, die sich kontinuierlich Weiterbilden, sollte auf zumindest 12,5 Prozent aller Berufstätigen ausgeweitet werden.
  • Bis 2010 sollen mindestens 85 Prozent der 22-Jährigen eine mittlere Schulbildung oder eine Lehre abgeschlossen haben.
  • Die Anzahl der 15-Jährigen, die eine Leseschwäche haben, sollte 2010 bereits um 20 Prozent niedriger sein als 2000.

Ein Zwischenbericht, der morgen, Freitag, auch von den zuständigen Ministern in Brüssel diskutiert wird, zieht eine gemischte Bilanz. Bei den Universitätsabgängern hat die EU ihr Ziel bereits jetzt deutlich übertroffen: Im Schnitt gab es bereits 2005 in der EU rund 22 Prozent mehr Uni-Abschlüsse als 2000, Österreich liegt hier mit 18,7 Prozent unter dem EU-Schnitt. 15 Prozent aller Schüler streben derzeit in der EU nach der Pflichtschule keine weitere Ausbildung an. Österreich liegt mit nur 9,1 Prozent hier deutlich besser als der EU-Durchschnitt. Im Bereich des „lebenslangen Lernens“ ist Österreich mit fast 14 Prozent aller Berufstätigen, die sich kontinuierlich weiterbilden, auch bildungshungriger als die EU mit nur 10,8 Prozent. Spitzenreiter ist Schweden mit mehr als einem Drittel aller Werktätigen, die im oder nach dem Job noch dazulernen. Auch bei der mittleren Schulbildung muss sich Österreich nicht verstecken: Rund 86 Prozent aller 22-Jährigen haben hierzulande einen mittleren Abschluss (Matura, Lehre etc.), in der EU sind es 77,3 Prozent. Über dem Schnitt liegt Österreich aber bei den Leseproblemen: Während in der EU 19,8 Prozent aller 15-Jährigen Leseschwächen haben, sind es in Österreich 20,7 Prozent. In Finnland können hingegen nur 5,7 Prozent schlecht lesen, werden auch die Ergebnisse der Pisa-Studien bestätigt. Alarmierend sei die Entwicklung, meinen Experten: Lesen sei der einzige Bereich, wo es entgegen allen Bemühungen deutliche Verschlechterungen gegeben hat (siehe Grafik). Über die Gründe wird gerätselt. (Michael Moravec aus Brüssel/DER STANDARD, Printausgabe, 15. Februar 2007)

  • Artikelbild
    grafik: der standard
Share if you care.