Casino-Vorstand: "Gewinn nicht oberste Maxime"

7. März 2007, 14:25
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Karl Stoss, zuletzt Chef der Generali-Holding in Österreich, ist seit fünf Wochen im Casino-Vorstand. Jetzt stellte er sich erstmals in neuer Funktion den Medien

Wien – "Fünfzig plus ein Prozent" wäre der Casinos-Wunschanteil, den Neo-Chef Karl Stoss bei den Lotterien gerne erreichen würde, sagte er am Dienstagabend bei seinem ersten Auftritt vor Journalisten, als designierter Generaldirektor des heimischen Spielbanken-Konzerns. "Aber nicht um jeden Preis", fügt er hinzu, außerdem sei noch nicht klar, ob Bawag-Neoeigentümer Cerberus die 36,4 Prozent, die die frühere Gewerkschaftsbank an den Österreichischen Lotterien halten, verkaufen wollen.

Die Casinos Austria – derzeit 34-Prozent-Aktionär – hätten ein Vorkaufsrecht. Auf Preisspekulationen wollte sich Stoss zunächst nicht einlassen, rechnete dann aber doch "rein hypothetisch" vor, dass bei einem Jahresgewinn von knapp 30 Millionen Euro ein Preis von 100 Millionen Euro für den genannten Anteil "realistisch" wäre. "Aber es gibt auch Unabwägbarkeiten, die Lotterienlizenz läuft 2012 aus." Und es gebe auch einen strategischen Preis – "wenn ich jemanden verhindern will".

Kommt es anders, als Stoss will, sprich: die Gumpoldskirchner Novomatic oder sonst ein Konkurrent der Casinos überzeugten Cerberus, "gibt es ja auch noch andere Eigentümer, da könnte man ein Syndikat bilden". Sollten die Casinos zum Zug kommen, würde zur Finanzierung voraussichtlich eine Anleihe begeben.

Stoss wird bei der Hauptversammlung der Lotterien am 8. Mai zum Generaldirektor gewählt, am 25. Mai passiert selbiges für die Casinos. Die Doppelfunktion übernimmt der 1956 geborene Dornbirner von seinem Vorgänger, Langzeit-Boss Leo Wallner.

Im Inland war der Casinos-Umsatz 2006 wieder rückläufig (265 Mio. Euro, minus 6,4 Prozent), der Rückgang der Besucherzahlen konnte aber gestoppt werden, so Stoss. Auch Personal sei nach dem Golden-Handshake-Programm 05/06 in Österreich wieder aufgenommen worden. Stoss will derzeit "nicht ausschließen", dass er bei der Regierung in Richtung einer 13. Casino-Lizenz lobbyieren werde. Weiter offen sei, ob das Projekt Kreuzenstein (Korneuburg) verwirklicht wird, und, falls es kommt, welcher andere Standort geschlossen wird.

Im Ausland sind die Casinos an 51 Spielbanken beteiligt, und zwar dort, wo, anders als in Österreich, kein Monopol herrscht. 2006 wurden 990 Mio. Euro Umsatz (plus zwölf Prozent) erwirtschaftet. Stoss sagt, er sehe keinen Widerspruch am Festhalten am heimischen Monopol unter Hinweis auf Spielsuchtkontrolle und einer Expansion in ausländische, auf Pluralität der Anbieter setzende Märkte. Auf Nachfragen sagt er: "Gewinnmaximierung ist auch im Ausland nicht die oberste Maxime." (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.2.2007)

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    Karl Stoss, früher Banker und Versicherungsmanager, übt sich nun erstmals in der Pose als Chef der Spielbanken und Lotterien.

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