Adeg holt hunderte Billa-Marken und verspricht für 2008 Gewinn

7. März 2007, 14:20
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Adeg wickelt bald 70 Prozent des Warenge­schäfts über Rewe ab. Adeg-Chef Andreas Poschner spricht im STANDARD-Interview über Einkaufsmacht und Wege aus der Krise

STANDARD: Die Beteiligung der Rewe bei Adeg mit 24,9 Prozent hat in der Lebensmittelbranche einen Aufschrei ausgelöst. Hat Sie das überrascht?

Poschner: Es war klar, dass das Interesse auslöst.

STANDARD: Lieferanten befürchten eine massive Konzentration der Einkaufsmacht.

Poschner: ...mit wenig griffigen Argumenten. Tatsache ist, dass der Anteil unserer österreichischen Produkte steigen wird. 2006 lag der Österreich-Anteil im Sortiment noch bei 58 Prozent, das wird sich Richtung 70 Prozent verschieben.

STANDARD:Adeg stellt die Rewe-Eigenmarken Ja!Natürlich und Clever in die Regale. Gibt es einen Zeitplan?

Poschner: Wir haben die ersten sechs Produkte von Ja!Natürlich aufgenommen. Nächste Woche folgt das Clever-Sortiment. Bis Jahresende werden es einige 100 Artikel sein. Edeka-Marken scheiden aus, wir verrechnen über Rewe künftig 70 Prozent unseres Warengeschäfts – vertriebsspezifische Konditionen verhandeln wir.

STANDARD: Ein Lieferant hat gedroht, Adeg nicht länger zu beliefern, sollte Ihr Unternehmen seine Produkte günstiger an die Kunden verkaufen als Spar.

Poschner: Spar übt Druck auf ihn aus. Der Retter der Lieferanten, als die sie sich gern sehen, ist Spar sicher nicht. Fakt ist, wir sind nach wie vor ein eigenständiges Unternehmen. Und wir werden mit der Rewe auf keinen Fall gemeinsame Jahresgespräche durchführen, in denen einzelne Lieferanten unter Druck gesetzt werden.

STANDARD: Kartellwächter haben angekündigt, ein scharfes Auge auf den Deal zu haben.

Poschner: Sie werden über alle unsere Schritte informiert.

STANDARD: Warum haben nach dem Ausstieg der Edeka nicht die Adeg-Genossenschafter die Anteile zurückgekauft?

Poschner: Es gab vorbereitende Maßnahmen. Ich hatte jedoch Bedenken, die Genossenschafter zu überfordern.

STANDARD: Rewe hat ihren Einstieg gern auch damit begründet, das Überleben von Adeg zu sichern. Ist es um das Unternehmen so schlecht bestellt?

Poschner: Mit der Edeka Südbayern ist der bonitätsstärkste Gesellschafter ausgestiegen. Es war eine strategische Entscheidung, für uns aber zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

STANDARD: Adeg ist finanziell schwer angeschlagen. Es gab 2005 im Konzern Verluste von 16 Mio. Euro bei einem stagnierenden Umsatz. Hat sich der Abwärtstrend fortgesetzt?

Poschner: Die Bilanz 2006 ist noch nicht fertig. Beim Umsatz gab es ein leichtes Minus, wir haben den Verlust aber reduziert. Heuer gibt es Chancen auf ein ausgeglichenes Ergebnis, 2008 erwarte ich Gewinn. STANDARD: Wie soll das gelingen?

Poschner: Bei unseren Cash & Carry-Märkten steigt der Umsatz. Die Standorte sind teils veraltet und wir erneuern jetzt jährlich einen. Im lange hochdefizitären Filialgeschäft hat sich der Umsatz stabilisiert.

STANDARD: Werden die 23 C&C-Märkte verkauft?

Poschner: Nein.

STANDARD: Was ist mit den 21 ehemaligen Magnet-Märkten?

Poschner: Da müssen Sie die Eigentümer fragen. Aber: Ja, sie werden verkauft.

STANDARD: Bleibt Edeka Chiemgau Adeg-Gesellschafter?

Poschner: Ja. Daran wird sich nichts ändern.

STANDARD: Adeg hat ein Lager in Traboch aufgelassen. Was passiert mit den übrigen vier?

Poschner: Wir behalten sie.

STANDARD:Adeg hat rund 600 selbstständige Kaufleute. Werden es noch weniger?

Poschner: Es gibt einen Strukturwandel, viele finden keine Nachfolger. Die Zahl der Kaufleute wird daher weiter leicht abnehmen, aber die einzelnen Flächen wachsen.

STANDARD: Wie geht es mit den 100 eigenen Filialen weiter?

Poschner: Wir haben im Vorjahr neun an selbstständige Kaufleute übergeben. Und wir wollen 60 weitere abgeben.

STANDARD: Es gibt einen Beschluss für die Erhöhung der Genossenschafteranteile.

Poschner: Wir passen uns an veränderte Strukturen an.

STANDARD: Aber Spar und Nah & Frisch umwerben ihre Kaufleute. Fürchten Sie kein Abwandern zur Konkurrenz?

Poschner: Nein. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.2.2007)

Zur Person

Andreas Poschner (41) ist seit 1993 in der Edeka Chiemgau tätig. Seit 2005 ist der Betriebswirt Vorstand der Adeg Österreich Handels-AG.
  • Adeg-Vorstand Andreas Poschner: "Wir sind nach wie vor ein eigenständiges Unternehmen."
    foto: standard/matthias cremer

    Adeg-Vorstand Andreas Poschner: "Wir sind nach wie vor ein eigenständiges Unternehmen."

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