Akute Alkoholvergiftung

26. Juli 2007, 13:39
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Wie es zu einer Intoxikation kommt, welche Faktoren dafür ausschlaggebend sind und welche Risiken damit verbunden sind

Akute Alkoholintoxikation ist eine Vergiftung durch übermäßigen Konsum alkoholhältiger (ethanolhältiger) Getränke. Getrunkener Alkohol gelangt über die Schleimhäute der Verdauungsorgane in die Blutbahn. Dies geschieht mit unterschiedlicher Geschwindigkeit.

Aufnahmegeschwindigkeit

Faktoren, die die Aufnahmegeschwindigkeit in das Blut erhöhen sind unter anderem kohlensäurehältige alkoholische Getränke und ein leerer Magen. Je schneller der Alkohol in das Blut gelangt, desto rascher ist man betrunken.

Beeinflussender Faktoren

Der Blutalkoholspiegel (BAK) erlaubt nur begrenzte Aussagen über den momentanen Zustand einer betrunkenen Person und hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Körpergewicht

Menschen mit höherem Körpergewicht 'vertragen' mehr. Der Grund dafür: Alkohol ist in Wasser besser löslich, als in Fett. Wer schwer ist, hat mehr Körperwasser und damit bei gleicher konsumierter Alkoholmenge eine niedrigere Blutalkoholkonzentration.

Alter

Neben dem Körpergewicht spielt auch das Alter eine Rolle. Kinder und Jugendliche vertragen Alkohol schlechter. Die Ursache ist jedoch nicht nur das geringe Körpergewicht der Kinder, sondern auch die Unreife des Gehirns. Die Entwicklung des Zentralnervensystems ist erst nach dem 20. Lebensjahr vollständig abgeschlossen, es ist daher im Kindes- und Jugendalter besonders anfällig für äußere Einflüsse.

Rauschstadien

Vom Rauschstadium spricht man bei BAK-Werten zwischen 1,0 und 2,0 Promille. Die Sprache klingt verwaschen; Gleichgewicht und Reaktionsfähigkeit sind mittlerweile stark beeinträchtigt. Betroffene reagieren zunehmend verändert, sind verwirrt und desorientiert. Stimmungsschwankungen, Schläfrigkeit, Übelkeit und Erbrechen sind typische Symptome.

Ab 1,5 Promille treten bereits erste tödliche Alkoholvergiftungen bei Alkoholungewöhnten und Kindern auf.

Zwischen 2,0 – 3,0 Promille spricht man bereits von einem schweren Rausch mit möglicher Bewusstseinseintrübung. Der Betroffene reagiert lethargisch und ist in sämtlichen Körperfunktionen reduziert.

Ab 3,0 – 5 Promille ist im Erwachsenenalter Bewusstlosigkeit und Koma möglich. Die Atmung wird gedämpft und in letzter Konsequenz kann die Atemlähmung zum Tod führen.

Ab fünf Promille liegt die Letalität bei 50 Pozent.

Gewöhnung

Nach übermäßigem Alkoholkonsum wird in der Leber ein weiteres Enzym aktiviert. Das MEOS (Mikrosomale-Ethanol-Oxidierende-System) ist möglicherweise für die Gewöhnung an Alkohol verantwortlich. Je häufiger man große Mengen trinkt, desto mehr steht von diesem Enzym zur Verfügung.

Giftige Wirkung

Der Körper reagiert mit der Produktion von zusätzlicher MEOS, um die berauschende Wirkung des Alkohols zu verringern. Die giftige Wirkung des entstandenen Acetaldehyd reduziert sich dabei allerdings nicht. Bei Kindern und Jugendlichen sind alle Enzymsysteme, die für den Alkoholabbau in der Leber verantwortlich sind, in geringerer Menge verfügbar.

Alkoholabbau

Fünf Prozent des aufgenommenen Alkohols werden über Atmung, Harn und Schwitzen ausgeschieden. 90-95 Prozent werden in der Leber durch das Alkoholdehydrogenase-System zu Acetaldehyd und Essigsäure abgebaut. Die Substanz Acetaldehyd gilt als besonders giftig und wird vor allem bei chronischem Alkoholmissbrauch für irreversible Schäden im Organismus verantwortlich gemacht.

Risiken

Alkoholkonsum senkt die Körpertemperatur indem sich oberflächliche Gefäße erweitern. Diese Verschiebung des Blutvolumens in die Körperperipherie erzeugt beim Betroffenen ein Gefühl der inneren Wärme. Außentemperaturen werden in der Folge völlig fehleingeschätzt und durch die zusätzlich bewusstseinseintrübende Wirkung des Alkohol wird Kälte nicht mehr wahrgenommen. Die Gefahr bei kalten Außentemperaturen zu erfrieren ist groß.

Alkoholkonsum erhöht die Verletzungsgefahr. Laut amerikanischer Gesundheitsbehörde CDC – Center for Desease Control and Prevention) ist in den USA Alkohol für 8000 Todesfälle und 45.000 Verletzungen von Kindern und Jugendlichen jährlich mitverantwortlich.

Therapie

Die Therapie einer Alkoholintoxikation besteht im Wesentlichen in der Vorbeugung einer Hypoglykämie (Unterzuckerung). Die Vergifteten bekommen zuckerhältige Infusionen. Magenspülungen oder das bewusste Auslösen von Erbrechen um den Alkohol rasch zu eliminieren macht nur dann Sinn, wenn der Konsum von über einem Gramm reinem Alkohol pro Kilogramm Körpergewicht nicht länger als eine Stunde zurückliegt. (phr)

So wirkt Alkohol Die unmittelbare Wirkung des Alkohols betrifft vor allem das Zentralnervensystem. Über die Blutbahn gelangt der Alkohol in das Gehirn und beeinträchtigt dort verschiedene Hirnfunktionen. Konzentration und Reaktionsvermögen sinken, die Risikobereitschaft steigt. Je nach Menge des konsumierten Alkohols sind die Veränderungen unterschiedlich stark ausgeprägt. Die Reaktionszeit ist bei einem Blutalkoholwert von 0,8 Promille gegenüber dem nüchternen Zustand um 30 bis 50 Prozent verlängert. In geringen Konzentrationen wirkt Alkohol auf das Zentralnervensystem erregend. Diese Wirkung wird als besonders positiv empfunden. Mit zunehmender Menge treten verstärkt negative Emotionen, enthemmte Verhaltensweisen und Selbstüberschätzung auf.
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