Experten kritisieren Energiepolitik

13. März 2007, 15:36
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Während der heimische Stromverbrauch explodiert, wurden die Fördersysteme für Ökostrom "amputiert", der Anteil an erneuerbaren Energieträgern sinkt

Wien - Mit Österreichs Energiepolitik ist es nach Ansicht von Experten der Technischen Universität Wien (TU) nicht zum besten bestellt: Jährlich steige der Stromverbrauch um rund drei Prozent, gleichzeitig seien Fördersysteme für Ökostrom ausgehöhlt worden. Damit rückt das Ziel eines 80-prozentigen Anteils von erneuerbaren Energien bis 2010 in weite Ferne. Es brauche eine verstärkte Energieeffizienz und unpopuläre Maßnahmen, wie etwa eine Strompreiserhöhung.

Seit 2005 sei der Anteil erneuerbarer Energieträger kontinuierlich gesunken, erklärten die TU-Experten Günther Brauner und Reinhard Haas heute, Mittwoch, bei einer Pressekonferenz. Statt in die Reduktion von Treibhausgasemissionen zu investieren, werde auf den Zukauf von CO2-Emissonszertifikaten geschielt, kritisiert Haas. Die Konsequenzen seien ein deutlich verfehltes Kyoto-Ziel, der jährlich massiv steigende Stromverbrauch von Haushalten und Industrie, der Import von unter anderem tschechischem Atomstrom und ein "amputiertes" Fördersystem für erneuerbare Energien.

Der "explodierende" heimische Stromverbrauch lasse das Ziel, bis 2010 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien zu gewinnen, noch irrationaler erscheinen, betont Brauner. Selbst wenn bis in drei Jahren der Maximalausbau von Ökostrom - Wind, Bio und Photovoltaik - stattfinde, erreiche man damit nur mehr einen Anteil von 61,5 Prozent. Die nötigen Mittel für den Öko-Strom Ausbau beliefen sich auf rund 5 Mrd. Euro.

Strom-Verschwendung

Kostengünstiger und effizienter sei das Ziel mit der Senkung des Stromverbrauchs zu erreichen. Mit jährlich 4,4 Prozent weniger Verbrauch pro Kopf bis 2010 könnte dies umgesetzt werden. De facto würde das einen um 22 Prozent abgesenkten Strombedarf bedeuten, wenn keine zusätzlichen Ökoanlagen gebaut werden.

Machbar sei dies, weil allein 15 Prozent Strom durch Verschwendung wie etwa "Stand-by" bei Elektrogeräten in den Haushalten verloren gehe. "Echte Zwangsmaßnahmen sind aber politisch kaum umsetzbar", sagte der TU-Experte Brauner. Zukünftig, wenn die Strompreise steigen werden, rücke die Effizienz jedoch stärker in den Blick, so seine Prognose.

Aber auch der Kraftwerksbau stoße zunehmend auf Widerstand, vor allem wenn es sich im Großprojekte handle. Demgegenüber sei das Potenzial bei Kleinwasserkraftwerken mit einem derzeitigen Anteil von 9,6 Prozent noch nicht ausgeschöpft. Gleiches gelte etwa für Biomasse-Anlagen und Nahwärmenetze.

Abfohr für Privatisierungsvorhaben

Günter Brauner, der neben seiner Professur an der TU auch im Verbund-Aufsichtsrat sitzt, sprach sich gegen weitere Energie-Privatisierungsvorhaben in Österreich aus. Der Eigentümeranteil durch die öffentliche Hand sichere die Umsetzung von Gemeininteressen.

Die positiven Effekte der Strommarkt-Liberalisierung hätte sich in nur kurzfristig gesunkenen Strompreisen niedergeschlagen, aber wenig Anreiz zum Energiesparen für Industrie und Haushalte geliefert. Auch Investitionen in Stromnetze fehlten. Die gelten aber nach Brauner als Voraussetzung für eine dezentrale erneuerbare Energiepolitik. (APA)

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