Streik legt russisches Ford-Werk lahm

1. März 2007, 13:55
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Der wochenlange Streit um Gehaltserhöhungen erreicht mit der Arbeitsniederlegung einen neuen Höhepunkt

St. Petersburg - Ein Streik hat am Mittwoch die Produktion im russischen Ford-Werk nahe St. Petersburg lahm gelegt. Damit erreichte der wochenlange Streit um Gehaltserhöhungen in einem der größten ausländischen Fabriken des Landes einen neuen Höhepunkt. "Die Nachtschicht hat keine Autos produziert und ein Großteil der Tagschicht streikt ebenfalls.

Derzeit stellen wir keine Autos her", erklärte ein Sprecher von Ford Russland. Die Gewerkschaft fordert neben einer kräftigen Lohnsteigerung eindeutige Regeln für Urlaub und Sozialleistungen. Das Werk produzierte im vergangenen Jahr rund 60.000 Fahrzeuge, vor allem das Modell Focus. Ford will die Produktion angesichts der hohen Nachfrage in diesem Jahr auf 75.000 Fahrzeuge steigern.

Bereitschaft für weitere Verhandlungen

Der von Verlusten geplagte US-Autohersteller erklärte den Streik unter Berufung auf ein Gerichtsurteil für illegal, zeigte sich aber zu weiteren Verhandlungen bereit. Ein Gewerkschaftsführer erklärte, die Arbeitsniederlegung könnte solange andauern, bis Ford das Angebot einer Lohnerhöhung von 14 bis 20 Prozent aufbessert: "Wir werden spontan entscheiden - es könnte ein eintägiger Warnstreik sein, oder er könnte unbefristet sein." Fließband-Arbeiter verdienen in dem Werk umgerechnet rund 375 bis 550 Euro. Das ist mehr als der russische Durchschnittslohn. Die Inflation in Russland belief sich im vergangenen Jahr auf neun Prozent.

Ford ist einer der erfolgreichsten ausländischen Autobauer in Russland und hat dort im vergangenen Jahr 116.000 Autos verkauft. Streiks waren bislang eher selten. Nach acht Jahren rasanten Wirtschaftswachstums werden jedoch die Arbeitskräfte in einigen Branchen knapp und Gewerkschaften fordern einen größeren Anteil an den Gewinnen ein. Die Angestellten des Ford-Werks riefen bereits in den vergangenen Jahren schon zwei Mal einen Bummelstreik aus, um höhere Gehälter zu fordern. Mit diesen Maßnahmen reduzierten sie die Produktion um 25 bis 30 Prozent. Ford kündigte an, Anfang März 2300 Focus zu importieren, um Produktionsausfälle während des Streiks auszugleichen. (APA/Reuters)

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