Virtuelle Politik für Junge

21. April 2008, 14:12
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Jugendliche erstellten online ein "kleines Regierungsprogramm" - Schutz der Regenwälder neben Bildung wichtigstes Thema

Wien - Müssten Jugendliche ein Regierungsprogramm erstellen, würde das Thema Umwelt an erster Stelle stehen. Zu diesem Ergebnis ist das Projekt www.mitmachen.at gekommen, das via Internet junge Menschen eingeladen hat, Ideen zur Zukunft Österreichs einzubringen. Die Ergebnisse, so Projektleiter Carl-Markus Piswanger vom Bundesrechenzentrum bei einer Pressekonferenz am Mittwoch, werde man unter anderem den Jugendorganisationen der Parteien zukommen lassen.

Direkte BürgerInnenbeteiligung

"mitmachen.at" soll vor allem ein Beitrag zur direkten Bürgerbeteiligung über das Internet sein. Und auch eine wichtige Erfahrung zum Thema E-Government, so Christian Rupp, Sprecher der Plattform "Digitales Österreich". Zwischen 1. November 2006 bis zu Ende des Jahres konnten Jugendliche - anonym - Themen gewichten, die ihnen wichtig sind. Für Piswanger ein "wichtiger Meilenstein, um Vertrauen zu schaffen". Neben dem absoluten Sieger Umwelt waren auch Beschäftigung und Bildung ganz vorne. Schlusslicht stellte das politische System dar.

Es hat auch Spam gegeben

Parallel dazu konnte man im Internet Vorschläge zur Zukunft Österreichs posten. Sehr wohl habe es auch so genannten Spam gegeben, erstaunt sei man aber über die hohe Zahl von sehr qualifizierten Beiträgen gewesen. Der nächste Schritt des Projekts: Man erstellte "politische" Konzepte auf Basis der Beiträge, über die schließlich wieder abgestimmt werden konnte. Spitzenreiter dort war das Thema "Schutz der Regenwälder". Ganz unten auf der Liste fand sich "Erhöhung der Treibstoffpreise".

Beteiligung an politischen Prozessen gefragt

Piswanger war vor allem überrascht von der Vielfalt der Themen, die sich aus den Beiträgen ergab: "Eigentlich wollten wir 24 Konzepte erstellen, geworden sind es 174." Ein Zeichen für die Organisatoren, dass Beteiligung an politischen Prozessen gefragt sei. Die Beiträge selbst seien unterschiedlich, wie die Gesellschaft. "Ein gutes repräsentatives Spektrum der Meinungen", so Günther Schefbeck von der Parlamentsdirektion. Und auch "ein kleines Regierungsprogramm". Dem konnte SPÖ-Jugendsprecherin Elisabeth Grossmann nur zustimmen, oft würde der Eindruck entstehen, dass Meinungen im Parlament starr und unverrückbar seien.

"Coole" Infrastruktur

Die originellsten Beiträge trudelten etwa unter dem Titel "Infrastruktur ist cool" ein. Sehr oft kam der Vorschlag, Krankenhäuser in Gesundheitshäuser umzubenennen. Von den Initiatoren für beendet erklärt ist das Projekt, so Piswanger, noch lange nicht. Er nahm den Vorschlag von Heidrun Strohmeyer, Sektionschefin im Bildungsministeriums, auf, das Projekt unter dem Titel weitermachen.at fortzusetzen. (APA)

  • Mitmachen im Netz: Über viele Zukunftsthemen wurde auf der Plattform diskutiert.
    screenshot: derstandard.at

    Mitmachen im Netz: Über viele Zukunftsthemen wurde auf der Plattform diskutiert.

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