Auch das Parlament will Elsner

15. Februar 2007, 16:50
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Geht es nach dem Willen des parlamentarischen U-Ausschusses muss Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner bereits am Freitag vor den Abgeordneten Rede und Antwort stehen

Auch im Nationalrat war Helmut Elsner am Mittwoch der alles beherrschende Name, seine "Rückführung" nach Österreich das dominierende Gesprächsthema auf den Gängen vor den Klubräumen und Büros der Abgeordneten oder vor dem so genannten "Lokal VI". Dort tagt seit geraumer Zeit nicht nur der Eurofighter-U-Ausschuss, sondern in ebenso regelmäßigen Abständen auch der parlamentarische Banken-Untersuchungsausschuss, den es ohne den Bawag-Skandal wohl in dieser Form nie gegeben hätte.

Nur den Hauptzeugen - oder die wichtigste "Auskunftsperson" wie es formal richtig heißt - kannten hier viele Parlamentarier bisher nur aus der Zeitung. Das soll sich nun schleunigst ändern.

Bereits am Freitag soll Helmut Elsner vor dem Ausschuss unter Wahrheitspflicht aussagen. Platzt dieser Termin, wurde der kommende Mittwoch als Ausweichtermin festgelegt. Doch alles hängt jetzt davon ab, wie die Justiz den Gesundheitszustand Elsners beurteilt und ihn für die Befragung im Parlament, die sicherlich viele Stunden in Anspruch nehmen würde, "freigibt" oder eben nicht. Am Mittwoch hieß es seitens der Staatsanwaltschaft freilich noch, dass Elsner "vorbehaltlich" der weiteren Entwicklung vorerst in der Krankenanstalt des Gefangenenhauses Josefstadt (vulgo "Landl" oder "Graues Haus") bleiben wird.

Werner Kogler, Fraktionsvorsitzender der Grünen im U-Ausschuss, freut sich dennoch bereits sehr auf den Auftritt Elsners im Parlament: "Entscheidend ist, dass Elsner klären will, dass er nicht der einzige Gauner in der Republik ist und dafür habe ich großes Verständnis."

Als Zeugen geladen waren am Mittwoch vor dem U-Ausschuss Bawag-Chefankläger, Staatsanwalt Georg Krakow, und Bawag-Generaldirektor Ewald Nowotny. Der Unterschied: Krakows Befragung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Nowotny sagte: "Ich bin froh, dass das jetzt erreicht worden ist und hoffe, dass es möglichst rasch zu einem Prozess kommen wird." Auf die Frage, wer nun vor Elsners Aussagen zittern könnte, meinte Nowotny, dass wisse er nicht, "ich nehme an, vor allem Elsner selbst". (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.2.2007)

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    Staatsanwalt Georg Krakow (Bild) gab sich vor dem Banken-U-Ausschuss sehr wortkarg. Rede und Antwort stand er den Abgeordneten, die aber vor allem auf Helmut Elsner warten.

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