Öffentlich jammen und experimentieren: Die Wiener Jazzwerkstatt

4. April 2007, 17:16
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Das junge österreichische Musikerkollektiv lädt zum dritten Mal in- und ausländische Gäste zu Proben und Konzerten ins Wiener WUK

Wien reiht sich neuerdings ganz zu Recht unter die europäischen Jazzstädte. Und zu einer lebendigen Jazzszene gehören in Wien nicht nur die Konzerte international renommierter Musiker in Porgy & Bess, Birdland oder Konzerthaus, sondern vor allem auch die jungen Musiker der Stadt. Zu einem fixen Bestandteil dieser jungen lebendigen Wiener Jazzszene gehört mittlerweile das Musikerkollektiv JazzWerkstatt, 2006 mit dem Hans Koller Preis "Newcomer of the Year" ausgezeichnet.

In der Wiener Kulturpolitik spiegelt sich der Stellenwert des Jazz allerdings nicht wieder. Statt sich lange zu beschweren über mangelnde Subventionen, nahmen die Musikhochschulabsolventen der JazzWerkstatt die Sache selbst in die Hand. 2004 gründeten sie, inspiriert vom berühmten "Workshop"-Konzept des Bassisten Charles Mingus, den Verein, der heute 160 Mitglieder zählt. Initiatoren und künstlerische Leiter des Projektes sind die Musiker und Komponisten Clemens Wenger, Daniel Riegler, Wolfgang Schiftner, Bernd Satzinger, Peter Rom und Clemens Salesny.

Konzerte im WUK bei freiem Eintritt

Heuer findet schon zum dritten Mal (1. - 24. März) im Projektraum des Wiener WUK eine intensive Probe– und Konzertphase der JazzWerkstatt statt. Am Nachmittag wird in öffentlich zugänglichen Proben ein Konzertprogramm für den Abend erarbeitet, wobei stets mehrere Sets unterschiedlicher Ensembles zu hören sind. Jeder der sechs künstlerischen Leitern ist für das Programm von vier Tagen verantwortlich, darüberhinaus werden auch heuer wieder einige interessante Gäste aus den Bundesländern und dem Ausland erwartet. Da die Musiker bei freiem Eintritt spielen, gibt es auch keine Gage - Spenden sind daher sehr willkommen.

2006 reichte das Programm der JazzWerkstatt weit über die Veranstaltungen im WUK hinaus: Es fanden Konzerte in mehreren Bundesländern, beim Jazzfest in Wiesen, bei den Inntönen, beim Jazz Festival Moers in Deutschland oder auch im Wiener Porgy & Bess statt. Nachahmung hat das Projekt auch in Graz gefunden, wo fast direkt im Anschluss (26. - 31. März) eine Jazzwerkstatt im Theater am Ortweinplatz stattfinden wird. Aber auch in Bern hat man sich die Jazzwerkstatt zum Vorbild genommen: Das entsprechende Festival soll dort im Februar 2008 stattfinden.

Aufnahmen unter eigenem Label

Eine "Werkstatt" zum austoben, experimentieren, zum erproben, austauschen und erarbeiten improvisierter Musik will man sein. Das Ergebnis dieses offenen Prozesses ist ein kreativer neuer Zugang, der über das engere Verständnis von Jazz weit hinausgeht. Bisher sind acht CDs unter dem 2005 gegründeten eigenen Label erschienen. Das Besonder der Aufnahmen ist, dass es sich fast ausschließlich um Eigenkompositionen und Improvisationen der Musiker handelt. Es sind experimentierfreudige, bunte und oft sehr humorvolle Stücke ohne Berührungsängste zu elektronischer Musik oder Rock. Zuletzt erschien eine neue CD/DVD mit den Höhepunkten der "JazzWerkstatt 2006". (Georg Bacher)

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