DaimlerChrysler streicht 13.000 Stellen

1. März 2007, 13:55
16 Postings

Trennung der Konzernteile Daimler und Chrysler erneut auf dem Tapet - Jahreszahlen des Gesamtkonzerns 2006 besser als erwartet

Auburn Hills - DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche will die angeschlagene US-Tochter Chrysler mit weiteren harten Schnitten sanieren und schließt neun Jahre nach der Fusion eine Trennung nicht aus. Bis 2009 sollen in den USA und Kanada 13.000 Stellen gestrichen werden, teilte der Autokonzern am Mittwoch am Chrysler-Sitz in Auburn Hills bei Detroit mit. Ein Montagewerk von Chrysler in Newark (US-Bundesstaat Delaware) werde geschlossen.

Schwarze Zahlen

Von 2008 an soll der drittgrößte Autobauer der USA, der 2006 mehr als eine Milliarde Euro Verlust machte, wieder schwarze Zahlen schreiben. Unter dem früheren Chrysler-Chef Zetsche waren bereits zuvor 26.000 Stellen gestrichen worden. Nach einer Aufsichtsratssitzung erklärte Zetsche, um das Sanierungsprogramm zu "unterstützen und zu beschleunigen", prüfe man weitere strategische Optionen, wobei "keine Option" ausgeschlossen sei. "Unser Ziel ist, die bestmögliche Lösung für die Chrysler Group wie auch für DaimlerChrysler zu finden." Chrysler-Chef Tom LaSorda kündigte an, die internationale Präsenz von Chrysler stärken und durch Partnerschaften Kostenvorteile ausschöpfen zu wollen.

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende und stellvertretende Aufsichtsratschef, Erich Klemm, warnte vor einem "finanziellen Abwärtsstrudel" wegen der Krise bei Chrysler. "Wir wollten sicherstellen, dass der Kern von Daimler vor einem möglichen finanziellen Abwärtsstrudel der Chrysler Corporation geschützt werden kann", verdeutlichte Klemm die Strategie der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat. Es sei deutlich geworden, dass die Synergiepotenziale zwischen Mercedes-Benz und Chrysler begrenzt seien. Vor diesem Hintergrund begrüßte Klemm die vom Vorstand angekündigte Prüfung verschiedener Optionen für Chrysler.

1 Milliarde für die Restrukturierung

Die Restrukturierungskosten werden bis zu einer Milliarde Euro betragen. Die Kosten bei Chrysler sollen bis 2009 um 3,5 Mrd. Euro gedrückt werden. Eine engere Verzahnung von Chrysler und Mercedes-Benz sieht der Sanierungsplan nicht ausdrücklich vor. In Konzernkreisen hieß es aber, dass die verschiedenen bereits begonnenen und geplanten Projekte natürlich weitergingen Zetsche hat mehrfach erklärt, dass die Zusammenarbeit der Konzernteile deutlich enger werden müsse. An der Börse wurde bereits die Ankündigung des Sanierungsplans gefeiert. Die Aktie schoss zu Mittag binnen kurzer Zeit um bis zu 5,1 Prozent auf 51,75 Euro in die Höhe und erreichte damit den höchsten Stand seit Juni 2002. "Eigentlich ist es nichts Neues, aber die Meldung riecht nach Verkauf und das ist sehr positiv", sagte ein Händler.

Fantasie für die Titel

Ein Analyst sagte: "Die Aussage, dass für Chrysler alle Optionen geprüft werden, hat Fantasie in die Titel gebracht." Dabei sei ein Verkauf von Chrysler ebenso interessant wie eine Abspaltung oder eine Partnerschaft. Die Jahreszahlen 2006 des deutsch-amerikanischen Autokonzerns waren besser als erwartet. Sowohl der operative Gewinn wie auch das Konzernergebnis stiegen gegenüber 2005. Der operative Gewinn stieg von 5,2 Mrd. Euro auf 5,5 Mrd. Euro. Getrübt wurde das Ergebnis durch den Verlust von Chrysler in Höhe von 1,1 Mrd. Euro nach plus 1,5 Mrd. Euro im Vorjahr. Das Konzernergebnis verbesserte sich gleichwohl von 2,8 Mrd. Euro auf 3,2 Mrd. Euro. Man erwarte, die Ertragskraft in den Jahren 2007 bis 2009 deutlich steigern zu können, hieß es. Die Dividende soll unverändert 1,50 Euro je Aktie betragen. Die Kernmarke Mercedes-Benz konnte wieder glänzen und steigerte den operativen Gewinn auf 2,4 Mrd. Euro (Vorjahr minus 0,5 Mrd. Euro). Stark war auch die Lastwagensparte, die 2,02 (Vorjahr: 1,6) Mrd. Euro Euro verdiente. Der Konzernumsatz stieg um rund zwei Mrd. Euro auf 151,5 Mrd. Euro. Die Beteiligung am Luft- und Raumfahrtkonzern EADS habe mit 649 Mio. Euro zum operativen Gewinn beigetragen. 2005 waren es noch 757 Mio. Euro. Hauptgrund für den Rückgang sei die Verzögerung der Auslieferungen des Airbus A380 gewesen. Die Mitarbeiterzahl ging im Vorjahr von 382.724 auf 360.385 zurück. In Deutschland wurden 166.617 Mitarbeiter beschäftigt (Vj. 182.060), in den USA 94.792 (97.480). (dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.