Geistesblitz: Nützliche Nanopartikel

13. Februar 2007, 19:19
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Die Chemikerin Ruth Prassl erforscht Lipoproteine

Lipoproteine sind wundersame Teilchen. Die natürlichen Nanopartikel transportieren im Körper wasserunlösliche Substanzen, wie Cholesterin und Fett, zu den Geweben. Liposomen werden aber auch künstlich aus Bestandteilen der Zellmembran nachgebaut. Ruth Prassl vom Institut für Biophysik und Nanosystemforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften hat beide Nanocarrier für wichtige Anwendungen im Visier.

Die Chemikerin erforscht einerseits die molekulare Struktur der Lipoproteine und entwickelt andererseits mit ihrer Arbeitsgruppe im Rahmen des Projektes "Nano-Health" liposomale Nanopartikel. Diese dienen als Nutzfahrzeuge oder molekulare Schutzhülle, um Medikamente sicher und zuverlässig an ihren Wirkort zu bringen, sowie als biologische Marker für bildgebende Verfahren, die Krankheiten im Frühstadium sichtbar machen.

Interdisziplinarität, ein gemeinsames Ziel und die Aussicht auf medizinischen Fortschritt faszinieren Ruth Prassl an ihrer Arbeit - sowie der "kleine Rest wissenschaftlicher Freiheit, das zu tun, was mich interessiert". Die Klagenfurterin des Jahrgang 1959 wollte immer schon etwas Naturwissenschaftliches studieren und entschied sich für Chemie an der Uni Graz.

Am Thema Lipoproteine als Auslöser für Atherosklerose wird dort schon jahrzehntelang mit entsprechender Expertise gearbeitet. Als junge Wissenschafterin war es für sie "ein Vergnügen, an einem für mich neuen, interessanten und medizinisch relevanten Forschungsprojekt mitarbeiten zu dürfen", und deshalb ist sie auch noch heute dabei.

Ein bisschen Glück

Als erfolgreiche Forscherin muss man "engagiert, motiviert und initiativ sein und braucht Mitarbeiter, denen das Projekt gleich viel Freude bereitet wie einem selbst". Wichtig ist auch "eine fundierte Grundausbildung und ein bisschen Glück", so Prassl. Eine wichtige Stütze für "die wissenschaftliche Karriere, mein Forschungsprogramm und die Finanzierung des Teams" war und ist der Wissenschaftsfonds.

Für Ruth Prassl beginnt die Arbeit bereits um sieben Uhr, wenn die Kinder, die das Gymnasium besuchen, auf dem Weg in die Schule sind. Elektronische Post erledigt sie, bevor "es hektisch wird". Kommunikation wird bei den wöchentlichen Meetings groß geschrieben, wo "Termine, Erfolge und Misserfolge der vergangenen Woche besprochen und Pläne für die nächste Woche erstellt werden". Die meiste Zeit verbringt sie vor dem Computer, schreibt Anträge, Protokolle oder Berichte und korrigiert Publikationsentwürfe. Für eigene praktische Arbeiten im Labor bleibt wenig Zeit.

Ende 2006 wurde sie mit dem "Eminent Scientist of the Year Award" ausgezeichnet. Besonders freute sie sich darüber, dass der Preis die Initialzündung für mehr Medieninteresse an der Arbeit ihrer Forschungsgruppe war.

Hoffnungsvolle Anwendungen für die boomende Nanotechnologie sieht Ruth Prassl in sich selbst organisierenden Systemen für die Medizin: "Man muss sich nur die Natur zum Vorbild nehmen", so die Nanoforscherin. Aber auch Nanokomposite, -röhrchen und -drähte sowie nanoporöse Materialien werden vermehrt ihren Weg in Elektronik, Haushalt oder Automobilindustrie finden. Die Bewusstseinsbildung punkto Chancen und Gefahren sollte ihrer Ansicht nach parallel zu den Entwicklungen erfolgen, "die ja noch am Anfang stehen". (Astrid Kuffner/DER STANDARD, Printausgabe, 14. Februar 2007)

  • Nimmt sich die Natur zum Vorbild für ihre Forschung: Ruth Prassl.
    foto: der standard/privat

    Nimmt sich die Natur zum Vorbild für ihre Forschung: Ruth Prassl.

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