Bilanz Bundestheater: 9,38 Millionen Reserve

13. Februar 2007, 19:56
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Springer ist mit seinem Konzern zufrieden - Mit Grafik

Wien - Anfang 2003 handelte sich Georg Springer, Geschäftsführer der Bundestheaterholding, den "Vorwurf der Panikmache" ein, weil er einen finanziellen Crash prophezeiht hatte, falls die Basisdotierung (133,64 Millionen Euro) nicht angehoben würde. Im Jahr darauf meinte er, dass frisches Geld im Herbst 2004 unabdingbar wäre, um künftig über die Runden zu kommen.

Springers Warnungen wurden von der Politik in den Wind geschlagen: Die Basisdotierung für Staatsoper, Volksoper und Burg- mit Akademietheater blieb gedeckelt. Der böse Wolf ist dennoch nicht gekommen: In der Saison 2005/06 machte der "größte Theaterkonzern der Welt" zwar einen Verlust von 1,82 Millionen Euro; die Rücklagen betragen aber trotzdem noch immer 9,38 Millionen.

Bei seiner alljährlichen Pressekonferenz pries Springer am Dienstag daher seine Bundestheater, die sich "auf Medaillenkurs" befänden. Gegen wen seine Mannschaft antritt, verriet er jedoch nicht.

Der Eigendeckungsgrad blieb mit 37 Prozent konzernweit konstant (Staatsoper: 44 Prozent, Volksoper: 19 Prozent, Burgtheater: 20 Prozent). Die Sponsoringeinnahmen konnten seit 1999 kontinuierlich und somit erneut gesteigert werden: auf nun 3,7 Millionen. Die Zahl der Besucher hingegen sank in allen Häusern leicht - insgesamt von 1,34 auf 1,29 Millionen. Dies führte auch zu einer geringeren Sitzplatzauslastung im Burgtheater (auf 84,53 Prozent) und in der Volksoper (auf 74,77 Prozent). Die Staatsoper hingegen konnte trotz knapp 20.000 weniger Besuchern die Sitzplatzauslastung steigern: auf 96,30 Prozent.

Ob der Rücklagen könne man auch das für die laufende Saison zu erwartende Defizit auffangen: Die Holding werde erneut die Fehlbeträge der Burg (voraussichtlich 2,4 Millionen) und der Volksoper (650.000 Euro) ausgleichen. Und die Staatsoper müsse ihre Rücklagen (5,18 Millionen) fast zur Gänze aufbrauchen.

Und weil man es geschafft haben werde, die Öffentlichkeit finanziell nicht mehr zu belasten als 1999, erwartet sich Springer "eine Anerkennung, einen Preis, einen Lohn": eben die Anhebung der Basisdotierung (um zehn Millionen Euro).

Denn die Inflation sei seit damals um 12,1 Prozent gestiegen, die Personalkosten aber aufgrund diverser Rationalisierungsmaßnahmen nur um 5,1 Prozent. Und da sich der Hanuschhof, die Zentrale der Bundestheater, lediglich einmal gewinnbringend ausbauen lasse, sei eine Erhöhung der Basisabgeltung, wie jedes Jahr von Springer betont, unausweichlich: Ohne sie werde es nicht gehen.

Er prognostiziert der Burg für 2007/08 ein Defizit von 2,8 Millionen und der Volksoper eines von 2,5 Millionen Euro. Nur die Staatsoper werde es noch einmal schaffen: Weil sie der Volksoper 5,2 Millionen geborgt hat, die sie dann zurückerhielt - von der Holding. Was bedeutet, dass auch diese ein Defizit (von 4,2 Millionen) erwirtschaften werde. (Thomas Trenkler / DER STANDARD, Printausgabe, 14.02.2007)

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    grafik: standard / quelle: bundestheater
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