Kofler verkauft en gros

5. März 2007, 13:43
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Der Premiere-Chef verkauft 11,4 Millionen Aktien im Wert von rund 188 Millionen Euro - Kofler will Premiere aber treu bleiben

Es sind nicht ein paar Aktien, die Kofler via Goldman Sachs an die Börse bringen will, sondern ein ziemlich üppiges Paket, das nun auf institutionelle Investoren wartet: Er bietet 11,4 Millionen Aktien aus seinem Besitz an, das entspricht 11,6 Prozent des Grundkapitals der Premiere AG. Die Börse reagierte auch promt auf das Verkaufsangebot: Premiere-Aktien rasselten am Dienstagvormittag nach der Ankündigung Koflers um bis zu zehn Prozent hinunter - auch wenn Kofler beteuerte, sich weiterhin an der Spitze des Unternehmens engagieren zu wollen. Am Dienstagnachmittag notierte die Aktie noch 5,6 Prozent tiefer mit 16,43 Euro.

"Frei von einer Verpflichtung"

"Mit dieser Transaktion möchte ich meine Flexibilität als Unternehmer und Investor verbessern. Ich bewerte die Zukunftsperspektiven jetzt nicht neu von Premiere, sondern ich mache mich frei von einer Verpflichtung, die ich schon seit vier Jahren geschleppt habe", sagte der 49-Jährige, der seit 2002 Vorstandsvorsitzender von Premiere ist und einen Vertrag bis zum Jahr 2009 hat. Soll heißen: Kofler will das Darlehen zurückbezahlen, das ihm vor vier Jahren den Einstieg bei Premiere ermöglichte. Wie viel das ist und wie viel Geld ihm selbst bleiben wird, wollte er allerdings nicht sagen.

Kofler will wieder investieren

Aber er will auch mit einer weiteren Beteiligung an seinem Sender deutlich machen, dass er diesem auch in Zukunft treu bleibt: Mindestens 20 Millionen Euro will er wieder in Premiere-Aktien investieren. Das entspricht beim derzeitigen Kurs knapp 1,3 Millionen Aktien, beziehungsweise ein wenig mehr als einem Prozent an Premiere.

Kofler nutzt für seinen Verkauf einen momentanen Höhenflug des Unternehmens. Erst Ende der vergangenen Woche war der Kurs von Premiere auf den Jahresanfangswert geklettert, da der Sender ein überraschendes Comeback im Fußball-Bereich ankündigte. Premiere tat sich mit seinem Erzrivalen Arena zusammen, der ihm vor einem Jahr die exklusiven Übertragungsrechte für Bundesliga-Spiele (eines der Hauptstandbeine von Premiere) weggeschnappt hatte.

Spiele können wieder via Satellit ausgestrahlt werden

Durch eine Vermarktungskooperation kann Premiere die Spiele somit wieder via Satellit in ganz Deutschland live ausstrahlen. Im Gegenzug steigt Arena über eine Kapitalerhöhung mit knapp 17 Prozent als größter Aktionär bei Premiere ein. "Premiere ist für Bundesliga-Fans wieder die erste Adresse", frohlockte Kofler da, was nicht verwundert, wenn man die Zahlen betrachtet, die ihm die einstige Rivalität bescherte: Der Rechteverlust hatte Premiere im vergangenen Jahr mit 161,5 Millionen Euro in die roten Zahlen rutschen lassen.

Und die Zuseher dankten Kofler nun diesen Schulterschluss mit Arena. An diesem Wochenende verzeichnete der Sender einen Zuwachs von 33.000 Abonnenten für die Live-Spiele. Zehntausende Abonnenten nahmen außerdem ihre Kündigung zurück. (Birgit Baumann/DER STANDARD; Printausgabe, 14.2.2007)

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