Niedersachsen schließt in Wolfsburg Frieden mit Porsche

1. März 2007, 13:55
2 Postings

Die VW-Großaktionäre Porsche und Niedersachsen haben ihren Machtkampf beigelegt und wollen künftig an einem Strang ziehen

Die VW-Großaktionäre Porsche und Niedersachsen haben ihren Machtkampf beigelegt. "Porsche und das Land Niedersachsen werden in Zukunft an einem Strang ziehen", sagte der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff am Mittwoch vor einer VW-Betriebsversammlung in Wolfsburg. Das Land werde künftig mit zwei, Porsche mit drei Mitgliedern im VW-Aufsichtsrat vertreten sein. "Dass der größte Aktionär den Aufsichtsratsvorsitz beanspruchen kann, das akzeptieren wir", betonte Wulff zudem.

Überschätzte Bedeutung

Zwischen dem Land Niedersachsen und der Porsche AG gebe es jenseits des VW-Gesetzes Gemeinsamkeiten, sagte der CDU-Politiker vor rund 18.000 Beschäftigten des Wolfsburger VW-Stammwerkes. "Das VW-Gesetz ist in seiner Bedeutung überschätzt worden", meinte er. Das VW-Gesetz verstößt nach Auffassung des Generalanwalts beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) gegen Europarecht, weil es das Land Niedersachsen bevorzugt. Ein Aus für das Gesetz, das die Stimmrechte jedes VW-Aktionärs auf maximal 20 Prozent beschränkt, ist absehbar. Das Land habe Porsche als verlässlichen Partner bei VW, meinte Wulff weiter. Porsche habe durch seinen Einstieg den Zugriff von Finanzinvestoren auf das Unternehmen verhindert und verfolge mit seinem Engagement strategische Ziele. Porsche sei ein guter Partner für VW. Nach Angaben von Regierungssprecher Olaf Glaeseker gab es mehrere Gespräche von Wulff mit dem VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Großaktionär Ferdinand Piech. Wulff hatte sich bisher gegen eine weitere Amtszeit von Piech an der Spitze des VW-Kontrollgremiums gesperrt.

Eine Einheit

Piech saß bei der Belegschaftsversammlung neben VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh auf dem Podium. Wulff unterstrich die wirtschaftliche Bedeutung von VW als mit Abstand größtes niedersächsisches Unternehmen. "Niedersachsen und VW - das ist eine Einheit", sagte er. Das Land werde seine VW-Anteile nicht verkaufen und auf Hauptversammlungen immer mindestens die Sperrminorität haben, um eine Zerschlagung oder Aufspaltung des Autokonzerns zu verhindern. Der VW-Betriebsratsvorsitzende Osterloh hatte Wulff zuvor aufgefordert, auch bei einem Fall des VW-Gesetzes die Landesanteile weiter zu halten. Jeder niedersächsische Ministerpräsident müsse unabhängig von der politischen Couleur ein ureigenstes Interesse am Erhalt der VW-Arbeitsplätze haben, sagte er. (APA)

Share if you care.