Schule und Unfallrisiko: Genaue Daten dringend erbeten!

28. März 2007, 15:00
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Anmerkungen aus der Sicht einer Statistikerin - Von Beate Mayer

Früher konnten von der Statistik der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) Anfragen, wie viele Volksschüler in Wien etwa im Vergleich zu Vorarlberg am Schulweg verunglückten, leicht beantwortet werden. Andere wollten wissen, wie sicher - bzw. um vieles sicherer - denn die Schulskikurse geworden wären.

Schulerhalter, Lehrer, Elternvereinsobleute, Beamte des Bildungsministeriums, Mitarbeiter des Kuratoriums für Verkehrssicherheit, Hersteller von Turngeräten - die Liste der Interessenten lässt sich noch lange fortsetzen - sie alle erhalten von uns Statistiken, die selbstverständlich dem Datenschutzgesetz entsprechen.

Ich wüsste aber nicht, wie solche Statistiken entstehen sollten, wenn wir nicht auch irgendwo die einzelnen Schülerunfälle als Auswertungsbasis gespeichert hätten. Aber seit Inkrafttreten des Bildungsdokumentationsgesetzes 2002 sehen sich sowohl das Unterrichtsministerium als auch die Statistik Austria außerstande, uns die zusammengefassten Schülerzahlen in einer für uns ausreichenden Detaillierungsstufe zu liefern. Die Grunddaten sind ja nicht mehr vollständig. Niemals hätte ich Noten der Schüler wissen wollen, auch die Versicherungsnummern sind für mich als Abnehmerin zusammengefasster Daten bereits völlig irrelevant, aber - wegen der "vielen Elternbeschwerden", die die ARGE Daten anführt, können seit mehr als vier Jahren keinerlei Auswertungen über Schülerunfälle gemacht werden, die über die bloßen Absolutzahlen hinausgehen. Mag sein, dass auch aus diesen Daten Rückschlüsse über das Bildungssystem gezogen werden könnten - mir scheint aber auch ein berechtigtes Anliegen, die Sicherheit der Schüler/innen dokumentieren zu können.

Auch die Statistik Austria teilt die Bedenken der ARGE Daten nicht, auch dort dürfte sowohl das Datenschutzgesetz eingehalten werden, als auch vermutlich eine gewisse Einsicht in praktische Notwendigkeiten bestehen.

Frau Minister Schmied hat "das Problem von ihren Vorgängern geerbt" - ich hoffe, dass sie auch die Stimmen derer hört, die die Daten immer schon in sinnvoller Weise nutzten, und von denen übrigens (soweit das unsere Statistik betrifft) auch keine Stellungnahme zum Bildungsdokumentationsgesetz eingeholt wurde. (Beate Mayer/DER STANDARD, Printausgabe, 14. Februar 2007)

Beate Mayer ist Leiterin der Statistikabteilung der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt in Wien.
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