Probleme in "besseren Kreisen" spät erkennbar

15. März 2007, 15:18
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Kinder- und Jugendanwaltschaft Oberösterreich: "Verheimlichung" funktioniert besser - Verhalten der Mutter hätte "Alarmzeichen" sein müssen

Familiäre Probleme werden in sozial besser gestellten Kreisen offenbar erst später erkannt als bei "einfachen Leuten". Die "Verheimlichung" funktioniere in den höheren Gesellschaftsschichten besser, daher werde auch das Jugendamt oft erst später eingeschaltet, so die Erfahrung der Leiterin der Kinder- und Jugendanwaltschaft Oberösterreich, Christine Winkler-Kirchberger.

Gewalt, Missbrauch und Verwahrlosung kommen quer durch alle Bevölkerungsschichten vor, erzählte sie im APA-Gespräch. Die Erfahrung zeige, dass die Jugendwohlfahrt zwar überall gleichermaßen einschreite, Missstände bei besser gestellten Familien allerdings oft schwerer erkennbar seien. Anzeigen von Nachbarn oder Schulen würden häufig erst später eingehen, weil die Eltern es besser verstehen, sich abzuschirmen und mit Erklärungen aufzuwarten.

Dass Probleme in Akademikerfamilien immer wieder verschleiert werden, ist eine durchaus häufige Erfahrung der Kinder- und Jugendanwaltschaft. Auch im speziellen Fall der drei oberösterreichischen Kinder sei das wohl die Erklärung dafür, dass die Kinder so lange bei der Mutter geblieben sind, so Winkler-Kirchberger.

Das Verhalten der Mutter hätte allerdings als "Alarmzeichen" gewertet werden müssen, hieß es im Büro des zuständigen Landesrates Josef Ackerl (S). Wenn jemand die Sozialarbeiter nie ins Haus lasse und immer wieder Ausreden parat habe, sei das häufig ein Anzeichen, dass etwas nicht in Ordnung sein. (APA)

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